Das Leben von Jesus

Erinnerungen von K. Nebelsiek

Quelle: www.kersti.de

 

 

Upload auf fallwelt.de im März 2012

 

Erinnerungen an Jesus. 1

Jesu Gottesbegriffe. 3

Hilfe für ein Essenerdorf 5

Jesu Kreuzigung. 7

Jesu Vater 7

Apostel 9

Der Traum.. 9

Der Botengang. 10

Gericht 11

Mein erster Ritt 11

Arbeit 12

Die Kreuzigung. 14

Ergänzung aus Jesu Sicht: 16

Nachher 17

Ergänzung aus der Sicht von Jesu Vater 18

Mein letzter Schüler 18

Die Macht des Vertrauens. 22

Was war Jesus für ein Mensch?. 24

 

 

 

Erinnerungen an Jesus

Eine der Geschichten, an die ich mich durch meine frühere Lebens Experimente erinnerte, war folgende:
Ich stand auf einem Tisch. Bewaffnete kamen auf mich zu und richteten die Spitzen ihrer Speere auf mein Herz. Ich wußte, daß sie mich töten würden. Ich betrachtete sie aufmerksam und nachdenklich, hielt Rückschau auf mein langes, erfülltes Leben und lächelte versonnen.
"Fesselt ihn." befahl der Anführer.
Ich legte meine Hände auf den Rücken und ließ es geschehen. Dann ließen sie mich von Tisch springen. Der Anführer band mich am Sattel fest und ritt durch das offene Stadtor hinaus. Ich lief federnd neben dem Hals des Pferdes her und bewunderte die friedliche Schönheit des Landes im Sonnenschein.

Schließlich hielt er an. Ich erkannte die Stelle wieder. Er zeigte auf einige Büsche und fragte zaghaft:
"Wirst du dort hinüber gehen, wenn ich es dir sage?"
Ich sah ihm stolz in die Augen und sagte:
"Das kommt darauf an."
Er gab seinen Männern einen Befehl und sie stießen mich grob dorthin. Ungestüm fuhr ich herum, wollte ihm sagen, daß diese Grobheit bestimmt nicht zu seinen Befehlen gehört hatte. Im letzten Augenblick sah ich den Speer, der meine Brust durchbohrte. Die Wunde war tödlich. Ich biß die Zähne zusammen, ging in die Knie und ließ mich zu Boden gleiten. Ich wandte mich nach innen, um die Schmerzen möglichst gut auszuhalten. Es würde nicht lange dauern. Jeder mühsame Atemzug tat weh, zerriß das verletzte Herz noch stärker. Es gelang mir, mich wieder zu entspannen und in meine Mitte zu kommen, ehe mein Körper endgültig tot war und mich freigab. Ich schwebte über meinem Körper und beobachtete den Hauptmann.

Erschüttert starrte er meine Leiche an. Dann entdeckte er etwas, das ihn tröstete:
"Seht, wie friedlich sein Gesicht aussieht." sagte er zu den anderen Männern holte seinen Speer zurück, schloß zärtlich die Augen meines Körpers und sagte:
"Er ist tapfer gestorben."
Wieder etwas später sah ich ein Buch: "Essener Erinnerungen" nahm es in die Hand, las drei, vier kurze Stellen, die ich uninteressant fand und wollte das Buch unbedingt haben. Ich kam mir so richtig bescheuert vor. Da es eine ungefährliche Verrücktheit zu sein schien, kaufte ich es.

In einigen esoterischen Büchern wird über die "Akascha-Chronik" geschrieben, in der die Erinnerungen aller Menschen gespeichert sein sollen, die je gelebt haben. Die Autoren sagten, "Essener Erinnerungen" sei aus der Akascha-Chronik gelesen. Aus der Esoterik ist man Übertreibungen gewöhnt. Ich las. Das Buch war aus der Sicht eines Mannes und einer Frau geschrieben, die Jünger Jesu gewesen sein sollten. Ich fand begeistert: "Das ist genau der Jesus den ich kenne!" Dann wurde mir bewußt, was ich dachte. Ich löschte es sofort entsetzt aus meinen Gedanken und kam zu dem Ergebnis, ich sei vollkommen verrückt geworden. Das letzte Kapitel aus dem Buch erzählte mit anderen Worten die oben beschriebene Szene, die ich aus meinen Frühere-Leben-Experimenten kannte. Ich war geradezu empört, daß ich auf diese Weise gezwungen wurde, über die Realität früherer Leben noch einmal nachzudenken.

"Ich will ein Jünger Jesu gewesen sein? Ich muß wohl an maßloser Selbstüberschätzung leiden!" dachte ich mir, "Na ja, immerhin jemand, den heute niemand mehr kennt."

Inzwischen bin ich sämtliche Leben durchgegangen, die ich von damals bis heute erlebt habe und habe auch die Situationen zwischen den Leben betrachtet, in denen ich das nächste Leben mit Hilfe eines Freundes plante, der für mich wenn ich lebe meist die Aufgaben des Schutzengels übernimmt. Die Sache mit dem Jünger scheint zu stimmen. Paßt auch eigentlich zu mir. Wenn ich meinte, Menschen aus früheren Leben wiederzuerkennen, las ich ihnen Geschichten vor, in denen sie in ihren früheren Leben vorkamen. Meist kamen sie ihnen seltsam bekannt vor.

 

Seit ich diesen Artikel geschrieben habe, ist einige Zeit vergangen. Wieder und wieder bin ich mein Leben zu Jesu Zeit durchgegangen. Und bei jedem Durchgang kamen neue Aspekte ans Tageslicht. Meine Ansicht, daß ich damals wirklich gelebt habe, hat sich dadurch eher verstärkt als abgeschwächt. - Wenn das wirklich mein Leben ist, dann erklärt es viele meiner tiefsten Überzeugungen, die teilweise selbst für Menschen, die Jesus gekannt haben, untypisch sind. Das spricht - wie auch die Tatsache, daß ich mich zuerst erinnert habe und dann auf das Buch stieß gegen die Vermutung, daß ich da in ein Leben hineingeraten sein könnte, was ein Anderer gelebt hat. Ich bin aber auf auch viele verdrängte Erinnerungen gestoßen und auch die Erinnerungsreihe von allen Leben von damals bis heute enthält Fehler. Für ein Fantasieprodukt ist mein damaliges Leben einfach zu belastend für mich gewesen. So etwas Unbequemes, das mit jedem weiteren Aspekt, der ans Tageslicht kommt, noch unbequemer wird, denkt man sich nicht einfach aus. Jede Fantasiegestalt meiner selbst, jede Person die ich nur erfunden und gespielt hatte, hat ein einfacheres Leben gehabt. Und ich habe viele Geschichten und Personen erfunden. (Fantasy) Diese neue Version meiner Erinnerungen an Jesus wird allerdings so schnell noch nicht ins Internet gesetzt, da immer noch bei jedem Durchlesen neue Aspekte auftauchen. 

 

 

Jesu Gottesbegriffe

Ich stellte mir die Frage, was es damit auf sich hätte, daß Jesus den "Gott" der Juden als "Teufel" beschimpft haben sollte. Daraufhin kam mir eine Szene in den Sinn, in der "ich" (also der, dessen Leben ich nacherlebte, ich war damals jemand anders) auf einem Bett lag und an all den stellen Schmerzen hatte, an denen Jesus bei der Kreuzigung verletzt wurde.

Ich fragte eine Freundin, mit der ich mich oft telepatisch unterhielt, (Ich kenne sie nicht als verkörperter Mensch.) ob ich da wirklich in Jesu Haut steckte. Sie sagte mir, daß Jesus grundsätzlich die Erlaubnis gegeben hätte, daß jeder, der will, sein Leben nacherleben darf.

Daraufhin ging ich zum Anfang von Jesus Leben zurück, um zu verstehen, was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der mein Lehrer wurde. Hier ist eine kurze Zusammenfassung meiner bisherigen Nachforschungen:

Gott, sagen wir einmal Gott1, betrachtete die Juden als "sein" Volk. (Im Sinne von Sklaverei.) Er hat sie in einer früheren geschichtlichen Epoche ziemlich mißbraucht. Dann hatte er "sein" Volk verlassen und arbeitete jahrtausendelang auf einem anderen Planeten.

Bei seiner Rückkehr stellte er fest, daß sein Volk nun von einer Angehörigen einer schlangenartigen Rasse beherrscht wurde (Gott2). (Schlangen sind von ihrer Instinktnatur her kaltherzig. Jesus hat diese Geschichte von einer Angehörigen des Schlangenvolkes erzählt bekommen, die jedoch eine Eingeweihte war. Den Weg zu Gott können uns auch Schlangeninstinkte nicht versperren.)

Ein solches Schicksal wünschte Gott1 seinem Volk nicht und wollte deshalb etwas für sie tun. Er zeugte Jesus als Retortenbaby, eventuell mit einzelnen genetischen Manipulationen. Jesus hatte seine eigenen Gründe, als dieses Kind zur Welt zu kommen.

Als Jesus drei war, wollte sein Vater ihn untersuchen lassen, ob er auch gesund war und ihm einen kleinen Sender einpflanzen. Statt daß er zu Maria ging und ihr befahl, daß sie ihm Jesus bringen solle, mußte ich - also der, der ich damals war - zu meinem Entsetzen mit ansehen, daß Jesus von zwei wildfremden Männern gekidnapt und zu einem UFO geschleppt wurde. Ich rief Maria zu Hilfe, die Gott1 daraufhin eine Standpauke über angemessenen Umgang mit Kindern hielt. Gott1 bestrafte sie dafür - aber er richtete sich beim nächsten Mal danach. Seither hatte Jesus Angst vor seinem Vater.

Gott1 wollte Jesus die passende Ausbildung für die Aufgabe mitgeben, für die er ihn ausersehen hatte. Also schickte er ihn der Reihe nach zu allen Lehrern, die er für gut hielt. Dadurch mußte der kleine Junge Jesus jeden Menschen, den er kennen und lieben lernte, sehr bald wieder verlassen. Jeder, der etwas dagegen sagte, wurde hart bestraft. (Gott1 fügte den Leuten mit technischen Mitteln Schmerzen zu, indem er das Nervensystem per Funk (oder etwas ähnlichem) überreizte. Der Sender, der Jesus eingepflanzt worden war, wurde ebenfalls oft zu diesem Zweck benutzt, außerdem konnte Gott1 damit Jesu Gespräche belauschen und sich mit ihm unterhalten.) Später waren Jesu Gefühle gegenüber Gott1 eine Mischung aus Wut und hilflosem Groll - und dem Wunsch geliebt zu werden. Doch obgleich Gott1 seinen Sohn liebte, war er bemerkenswert unfähig, ihm das zu zeigen. Es kam vielleicht einmal im Jahr vor, daß Gott1 mit Jesus ein richtiges Gespräch führte, das nicht nur aus Befehlen und Drohungen bestand.

Ein Heiler begann Jesus zu lehren, wie man über solchen Dingen stehen kann. Er fing damit an, daß er sich mit Gott1 anlegte, der ihm hatte erzählen wollen, wie er mit Jesus umgehen und ihn unterrichten sollte.

Er sagte Gott1, daß er Jesus selbstverständlich so viel lehren werde, wie möglich - aber um Jesu willen und nicht wegen irgendwelcher Drohungen und mit den Methoden, die er, als der Fachmann als die besten und erfolgreichsten kennen gelernt hatte. Er würde dafür so lange brauchen, wie es diese Arbeit nun einmal erfordert. Gott1 solle sich da gefälligst nicht einmischen!

Gott1 benutzte seine übliche Bestrafungsmethode so lange, daß der Heiler sich nachher wegen des überreizten Nervensystems eine halbe Stunde nicht rühren konnte.

Der Heiler meinte zu dieser Bestrafung nur: "Ja, das hat wehgetan, aber es ist unwesentlich." Jesus glaubte ihm das, da das zu seinem sonstigen Verhalten und Denken paßte, er sich noch öfters mit Gott1 anlegte und sich manchmal auch durchsetzte.

Die Heilkunst des Heilers beruhte im wesentlichen auf bedingungsloser Liebe und der inneren Stärke des Heilers. Man nimmt mit dem Kranken telepatischen Kontakt auf, teilt seine Schmerzen und arbeitet dann an den feinstofflichen Körpern.

Jesus lernte, daß es eine Ebene seiner Persönlichkeit gab, die Gott1 weder verletzen noch zerstören kann, daß er eben noch tausendmal mehr ist als der Sohn eines grausamen Gottes, der den Launen seines Vaters hilflos ausgeliefert ist.

Die nächste Station in Jesu Leben war eine brühmte Schule, in der Jesus nicht nur viel Wissen erwarb, sondern unter seinen Mitschülern auch einen Freund fand, der ihn von da ab überallhin begleitete. Es zeigte sich jetzt auch, daß Jesus von jenem Heiler gelernt hatte, seine Wünsche so vorzubringen, daß sein Vater immer öfter bereit war, sie zu erfüllen.

Danach kam Jesus zu den Lehrern des Heilers. Wichtig in diesem Zusammenhang sind zwei Prüfungsaufgaben, die der Führer dieser Schule der Heilkunst Jesus gestellt hatte.

Ein wegen seiner Gefährlichkeit in Ketten gelegter, schwachsinniger, gewalttätiger Verrückter, der kaum noch wie ein Mensch erschien, wurde von einem hilfesuchenden Verwandten zu den Heilern gebracht. Jesus erhielt die Aufgabe ihn zu lieben. Jesus ließ sich zusammen mit dem Verrückten einsperren und ahmte dessen Verhalten nach, um ihn verstehen zu lernen. Es gelang Jesus, den Mann zu heilen.

Zum Abschied gab der Führer des Heilerordens Jesus eine zweite Aufgabe:
"Liebe deinen Vater."
Das ist Jesus nach meinen Beobachtungen bis zu seiner Kreuzigung nicht hundertprozentig gelungen. Und doch wäre die Fähigkeit seinen Vater mit allen seinen Fehlern so anzunehmen, wie er ist, für Jesus das wichtigste gewesen, was er hätte lernen können. Und jedes bisschen, was er davon lernte, war für Jesu Leben unendlich gut und heilsam.

Als Jesus sich bei einem späteren Besuch darüber moquierte, daß die Heiler an Gott glaubten, wo sie doch an Jesus Vater (Gott1) erkennen könnten, was Götter für welche wären, machten diese Heiler Jesus auch darauf aufmerksam, daß das Volk von Jesu Vater ebenfalls an einen Gott glaubte, der sie geschaffen hätte.

In Bezug auf das Markioniter-Evangelium (Isais-Materialien 3) läßt sich aus obigen Scenen aus Jesu Leben Folgendes schließen:

"Natterngezücht" als Bezeichnung für die Anhänger des Judengottes war nicht als Schimpfwort sondern als realistische Beschreibung der Tatsachen gemeint. Da züchtet sich eine "Schlange" eine Angehörige des schlangenartigen Volkes eine Sklavenrasse heran. (Und er hat es im Gegensatz zu dem, was ich bisher glaubte, wirklich so gesagt!)

Jesus redet von verschiedenartigen Göttern:

Gott1: Jesu Vater, der zwar technisches Wissen und Macht hatte, (und in der menschlichen Geschichte schon lange Gott genannt worden war) aber ansonsten einfach nur ein Mensch war.

Gott2: Der Judengott - eine Angehörige des Schlangenvolkes

Gott3: Gott, das Höchste Wesen, unser Schöpfer, die Liebe

 

 

Hilfe für ein Essenerdorf

Eines Tages kam Jesus, befahl mir, den Stall auszumisten und war wieder weg, bevor ich ihn fragen konnte wozu. Ich war überrascht: das gehörte gewöhnlich nicht zu meinen Aufgaben. Da Jesus meist gute Gründe für seine Anweisungen hat, tat ich, was er gesagt hatte. Nachdem ich das schmutzige Stroh entfernt hatte, befahl er mir, feucht aufzuwischen, was mich ebenso erstaunte. Ich tat es. Dann sollte ich eine gleichmäßig dicke Schicht frisches Stroh auf dem Fußboden verteilen. Schließlich kam eine unserer Frauen und deckte saubere Bettücher darüber. Kaum waren wir fertig, kamen Flüchtlinge herein. Sie hatten erschreckend viele, schwer verletzte Männer, Frauen und Kinder bei sich.

Als ausgebildeter Heiler kümmerte ich mich sogleich um ihre Verletzungen. Wie immer begann ich mit dem körperlichen Teil: Wunden verbinden, wo nötig nähen und mit Heilkräutern versorgen. Danach widmete ich mich dem geistigen Teil der Arbeit. Gebet, Energieübertragung, Liebe. Neben der Arbeit an verletzten, feinstofflichen Körpern, fing ich immer wieder auch bildhafte Erinnerungen an das Geschehene auf.

Die Flüchtlinge stammten aus einem nahegelegenen Essenerdorf und waren dort von römischen Soldaten überfallen worden. Viele wurden dabei getötet, schwer verletzt, selbst Kleinkinder nicht verschont. Wir haben uns im Nachhinein gewundert, daß sie mit den vielen Verletzten überhaupt bis zu uns gelangen konnten. Unser Haus, das Haus von Jesu Jüngern, war das nahegelegenste, wo jemand lebte, den man vielleicht um Hilfe hätte bitten können. Auch wenn wir nicht normale Essener waren und gerade die Bauern, die mit den Essenern in Verbindung standen, Jesus mit Mißtrauen betrachteten, weil er manche der strengen Regeln des Ordens bei Weitem nicht so wichtig nahm, wie sie. Weiter hätten sie es einfach nicht geschafft.

Nachdem ich die Heilarbeit bei dem dritten oder vierten abgeschlossen hatte, sah ich mich um und entdeckte, eine unserer Heilerinnen, die über einem Verletzten zusammengebrochen war. Ich kniete mich neben sie, wandte mich nach innen, hüllte mich in Frieden und folgte ihr anhand ihres Energiefeldes in die geistige Welt. Dort stand sie und starrte fassungslos auf eine dieser schrecklichen Szenen jenes Tages. Sie bemerkte mich nicht. Ich nahm sie mit in das Friedens-Energiefeld, in das ich mich gehüllt hatte und legte meinen Arm um sie. Langsam löste sich die innere Starre und sie spürte meine Anwesenheit.
"Karja, komm. Diese Arbeit muß ein anderer zuende führen." sagte ich und holte sie zurück in die Realität. Danach schickte ich sie hoch in unseren Schlafraum und verbot ihr, heute noch einen Handschlag bei den Verletzten zu tun. Sie hatte sich überfordert. Ich aber arbeitete weiter und brach noch am selben Tag ebenfalls über einem der Verletzten zusammen, weil ich nicht das Leid von so vielen Menschen mittragen konnte, wie ich behandelte. Miriam, meine Frau war es, die mich zurückrief. Danach dachte ich nach und sagte:
"Es hat keinen Sinn. Die schwersten Verletzungen sind schon versorgt. Bei den leichteren muß es reichen, daß Nicht-Heiler die Wunden verbinden. Laßt uns nach oben gehen."
Ich schaute nach, wo noch jemand arbeitete und sagte ihnen, daß sie aufhören und sich schlafen legen sollten. Es seien schon mehrere von uns über der Arbeit zusammengebrochen. - Und das ist gefährlich, wenn einen niemand rechtzeitig zurückruft. Daran kann man sterben und - Schlimmeres.

Die nächsten Tage gingen an die Grenzen unserer Kräfte. Wir hatten es uns zur Regel gemacht, daß alle Heiler zusammen in ein Zimmer mit Verletzten gingen und es auch nur zusammen wieder verließen, damit niemand verloren ging. Nach jedem Zimmer faßten wir uns an den Händen und ließen Heilenergie durch unseren Kreis fließen. Immer wieder mußten wir die Arbeit abbrechen, weil wir alle zusammen nicht mehr Heilkräfte mobilisieren konnten, als ein gesunder, unausgebildeter Mensch. Als nach und nach essenische Heiler aus anderen Dörfern zu uns kamen, um zu helfen, wurde es allmählich besser.

Am vierten Abend - wir hatten uns im Schlafraum der Heiler versammelt und unterhielten uns über die Arbeit des Tages. Nachdenklich betrachtete ich Jesus. Jesus ließ bei seiner Arbeit eine so hohe Energie in solchen Mengen durch sich fließen, daß der Körper, der für solche Belastungen nicht geschaffen war, das auf Dauer nicht aushielt. Deshalb mußte er sich von Zeit zu Zeit von uns zurückziehen und dem Körper Gelegenheit geben, sich zu regenerieren. Von den anwesenden Heilern, Jesus ausgenommen, hatten ich und meine Frau die beste Ausbildung genossen. Zuerst war ich seit meinem dritten Lebensjahr in Karmel ausgebildet worden, und nachdem ich einige Jahre als Heiler gearbeitet hatte, schloß ich mich im Auftrag meines Ordens Jesus an und lernte durch ihn noch vieles dazu. Die anderen anwesenden Heiler hatten entweder nur auf die traditionelle Art gelernt, wie es für Karmel typisch war. Oder sie waren nur durch Jesus ausgebildet worden und hatten dabei zwar ebensolche Heilerfolge, aber weniger theoretisches Wissen als ich. So kam es, daß ich derjenige war, der es merkte. Ich sah Jesus an und entdeckte die Anzeichen. Er hatte sich überfordert. Laut sagte ich:
"Jesus, es geht nicht an, daß du dich für uns umbringst. Du ziehst dich sofort zurück. Die restliche Arbeit könne wir allein bewältigen."
Jesus sah mir in die Augen. Ich erwiderte seinen Blick und öffnete ihm meinen Geist. Minutenlang starrten wir uns an, dann senkte er den Blick, sagte "Du hast recht." und ging.

Nein, Jesus ist nicht unfehlbar und er hat auch nie behauptet, er wäre es.

Nachsatz:
Der Befehlshaber der nahegelegenen römischen Garnison kam am zweiten Tag - ohne zu wissen, daß die Flüchtlinge bei uns versteckt waren - zu uns, gab von seinem privaten Geld und bat uns, es an die Flüchtlinge weiterzuleiten. Das, was in jenem Essenerdorf geschehen war, sei Unrecht. Einige Tage später teilte er uns mit, daß dort ein Offizier eigenmächtig gehandelt hätte, und dafür bestraft würde. So konnten die Essener zurückkehren, die Ernte einbringen und die Häuser wiederaufbauen. Nur die Schwerverletzten blieben einige Wochen länger bei uns.

 

Hinweis: Dieser Text ist - wie ich gerade entdecken mußte, ein typisches Beispiel für Verdrängung. Da er nun einmal schon in dieser falschen Form auf der Internetseite gelandet ist, werde ich an diesem Beispiel in allen Einzelheiten erklären, wie Verdrängung funktioniert, wann sie auftritt und warum.

Es wird vermutlich jedoch noch ein Weilchen dauern, bis ich die richtige Fassung fertig habe.

 

 

Jesu Kreuzigung

Jesus sagt: fast alle Götter, die Menschen im Laufe der Geschichte angebetet haben, sind Angehörige raumfahrender Rassen, die sich von uns Menschen teilweise erheblich unterscheiden, teilweise aber auch unerkannt unter uns leben könnten. Keiner dieser Götter ist besser als wir Menschen. Über diesen Teil ist Jesus Vater empört.

Es gibt einen einzigen wahren Gott und dieser Gott ist die Liebe. Wir können in unserem Herzen mit ihm reden. Der wahre Gott liebt jeden Menschen bedingungslos und würde uns nie bestrafen oder fallen lassen. Er versorgt uns mit allem Notwendigen, wenn wir nur darum bitten.

Also beten wir um Essen - das funktioniert mengenmäßig ganz gut, nur nicht sonderlich regelmäßig. - Immer wenn einer von uns jemanden grollte, gab es Verspätungen. Interessanterweise hatten wir immer, wenn jemand unsere Hilfe brauchte, genug dabei. Wir beten um Kleidung - die bekamen wir immer rechtzeitig. Und auch manchmal um ganz private kleine Wünsche. Auch die werden meist erfüllt.

Wir fragen uns bei jedem Gebet, über wen wir uns geärgert haben, wem wir noch verzeihen müssen, damit die Liebe, die Gotteskraft wieder fließen kann.

Und wir beten um eine bessere, friedlichere, liebevollere Welt.

 

 

Jesu Vater

"Simon, mein Vater möchte, daß du zu ihm aufs Schiff kommst."
Jesus sah mich unsicher an.

Er hatte mich, wie jeden seiner Freunde davor gewarnt, was passieren wird, wenn ich auf das Raumschiff (stellt euch ein typisches Kitsch-UFO vor) komme. Sein Vater wollte mir einen kleinen Sender einpflanzen lassen, der es ihm ermöglichen würde, mich immer überall zu finden, meine privaten Unterhaltungen abzuhören, mit mir zu reden und mir jederzeit unglaubliche Schmerzen zuzufügen. Außerdem soll es laut Jesus Vater auch dazu geeignet sein, seine Träger zu töten. Wir bezweifeln das. Jesus lebt noch, obwohl er seinem Vater alles andere als ein gehorsamer Sohn war. Jesus meinte, wenn sein Vater mir so ein Teil einpflanzen will, könnte ich dem nur entkommen, indem ich nie wieder etwas mit Jesus zu tun hätte. Sonst würde sein Vater mich früher oder später doch einfangen. Ich hatte meine Entscheidung längst getroffen. Ein Mensch braucht Freunde - gerade wenn er in einer so schwierigen Situation steckt wie Jesus.

Ich lächelte Jesus zu und sagte:
"Dann laß uns gehen."

Ich konnte mir sinnvollere Beschäftigungen vorstellen, als mir eine Verfolgungsjagd mit Raumschiffen zu liefern - obwohl das spannend wäre.

Wir gingen hinaus in die Wüste, wo das Schiff in einem Tal verborgen auf uns wartete. Ich trat ein und sah mich neugierig um. Dort stand ein großer, bärtiger, blonder Mann neben einem Tisch mit vier Stühlen aus glasklarem Material. Auf einem der Stühle saß eine ebenfalls blonde Frau. Ihre Ausstrahlung war wesentlich schwächer aber auch reiner als die des Mannes. Sie gefiel mir. Ich lächelte ihr zu. Sie trug die Ärzteuniform der Engel - wie wir die Brüder vom Himmel nannten. Also würde sie mir das Gerät einpflanzen. Der Mann mußte Jesus Vater sein. Er sah ihm auch ähnlich. Ich musterte ihn prüfend. Er hatte etwas Herausforderndes an sich. Jesus hatte erzählt, daß es schwer ist, mit ihm auszukommen.
"Na, du läßt dich aber auch durch gar nichts einschüchtern." meinte er.
"Nein. Wieso? Ist sich einschüchtern lassen irgendwozu nützlich?" fragte ich grinsend.
Er lachte. Ich hatte den Tonfall richtig gewählt.
"Setz dich."
Wir setzten uns. Jesus fühlte sich hier nicht wohl.
"Du bist also ein Freund meines Sohnes."
Ich nickte.
"Bist du dir im Klaren darüber, daß ich dich jederzeit umbringen könnte?"
"Das konnten viele. Einige hatten schon Gift in meinen Wein gemischt. Dennoch sitze ich heute hier. Wenn ich jedesmal in Panik geraten wäre, wäre ich wahrscheinlich schon tot - oder hätte Zeit meines Lebens unnötigerweise Angst gehabt. Ich kann mir Nützlicheres vorstellen."
"Aber ich bin Gott!"
Ich starrte ihn voller Verachtung an:
"Weißt du, ich beschäftige mich mit Religion. Ich glaube dir alles, was du sagst. Diese Lüge ist schon zweitausend Jahre alt."
Er gab mir eine Ohrfeige und befahl:
"Ke'ischa, tu deine Arbeit."
Ich sah die Frau an und fragte:
"Wohin?"
Sie winkte mich in einen Nachbarraum.

Dort angekommen fragte sie mich:
"Du weißt bescheid, wie?"
Ich nickte.
"Ich möchte die Operation bei vollem Bewußtsein miterleben."
"Warum? Du mutest dir nur unnötige Schmerzen zu."
"Ich will sehen, was du tust. Schmerzen sind unwesentlich."
"Jesus hat seltsame Freunde. Absolut furchtlos."
"Jesus übt sich in der Kunst, sich zwischen sämtliche Stühle zu setzen. Das ist auch eine Art, sicherzustellen, daß Feiglinge nicht zu den eigenen Freunden zählen." Ich lachte.

Ich lächelte in mich hinein. Jesus Vater hatte zweifellos nicht damit gerechnet, daß sein Sohn sich als so widerspenstig erweisen würde. Nun versuchte er, Jesus auf dem Umweg über seine Freunde unter Kontrolle zu kriegen. Ich schätzte die Erfolgschancen gleich null.
"Ich hoffe, er macht, wenn ihm das klar wird, nicht seine ständige Drohung wahr, Jesus zu töten." dachte ich.
"Tut mir leid, der Herr befielt ausdrücklich, die Operation mit Betäubung durchzuführen. Er meint, sonst würdet ihr das Gerät vielleicht selbst wieder entfernen."
Schade. Ich war wirklich neugierig. Und das war tatsächlich einer meiner Hintergedanken gewesen. Nicht sofort, nur falls es nötig sein sollte, uns vor Jesu Vater in Sicherheit zu bringen. Ich legte mich auf die Behandlungsliege.

Der Herr überprüfte das Gerät nachher sehr eingehend. Insbesondere die Sache mit den Schmerzen probte er, bis mein Nervensystem so überreizt war, daß mein Körper mir nicht mehr gehorchte, nur unkontrolliert zitterte. Da ich danach nicht aufstehen konnte, hob er mich hoch und warf mich aus dem Schiff. Jesus folgte mir wütend. Ich fand, daß sein Vater diese Wut nicht wert sei. Er trat Jesu Liebe so mit Füßen, daß Jesus jede Zusammenarbeit verweigerte. Er hätte es auch ganz anders haben können. Ich weiß doch, wie glücklich Jesus über jedes freundliche Wort seines Vaters war. Aber um sich durch Gewalt beherrschen zu lassen, ist Jesus Charakter zu stark.

Das Schiff flog davon.

Jesus kniete neben mir, nahm telepathisch mit mir Kontakt auf, fragte:
"Geht es?"
"Klar. Es ist doch nur passiert, was wir erwartet haben, oder?"
Jesus stimmte mir zu. Er war traurig. Er hoffte immer noch, daß sein Vater sich ändern könnte. Das würde vermutlich erst geschehen, wenn Jesus es sich nicht mehr so sehnlichst wünschte. Jesus selbst hatte mir die Gesetzmäßigkeiten erklärt, die dahinter standen, doch hier war er dafür blind.

Still warteten wir, daß mein Körper mir wieder gehorchte.

Viele, die Jesus kennen, würden es mir nicht glauben: Seinem Vater gegenüber benimmt er sich wie ein kleines, verletztes Kind.

Von mir sind sie dagegen gewöhnt, daß ich von Zeit zu Zeit explodiere - mit Vorliebe, wenn jemand eine Morddrohung zum dritten mal wiederholt und schon das Messer zum Zustechen in der Hand hält. Erstaunlicherweise hat keiner diese Drohung je wahrgemacht.

Ich habe das Gerät oft benutzt, um mich mit Jesus Vater zu streiten. Eine normale Unterhaltung ist mir mit ihm bis zur Kreuzigung nie gelungen.

 

 

Apostel

Ein halbes Jahr später:
Eng beieinander saßen wir in einer kleinen Halle in Jerusalem. Es tat uns gut, unter Freunden zu sein. Jesus erzählte, daß er uns alles beigebracht hätte, was er könne. Dann nannte er je zwölf Männer und zwölf Frauen, die seine Arbeit weiterführen sollten. Fühlte er sich so bedroht? Was mochte zwischen ihm und seinem Vater vorgefallen sein? Plötzlich fiel mir auf, daß er meinen Namen gar nicht genannt hatte. Dabei hatte ich von allen Anwesenden die beste Ausbildung. Ich sah Jesus fragend an und beschloß zu schweigen: Jesus hat gewöhnlich gute Gründe. Da warf Jesus mir ein herzliches Lächeln zu. Hatte er meine Frage aufgefangen? Manchmal ist er offen genug. Ich erwiderte sein Lächeln. Er sprach weiter, als sei nichts geschehen.

Beim Verlassen der Halle erwischte ich ihn alleine und fragte neugierig, warum er meinen Namen nicht genannt hätte. Jesus antwortete:
"Du bist ein eigenwilliger Mensch. Du hast aus vielen Quellen gelernt. Oft leistest du sogar bessere Arbeit als ich. Aber ich könnte nicht guten Gewissens behaupten, daß du meine Arbeit unverfälscht weiterträgst. Du mußt dir deinen Ruf selber schaffen. Ich bin sicher, das kannst du."
Ich nickte. Er hatte recht.

 

 

Der Traum

Drei Tage später:
Nur ein kleiner Teil unseres Kreises stand zusammen mit Jesus vor Sonnenaufgang auf. Für mich und meine Frau war es eine liebgewordene Gewohnheit aus der Kindheit bei den Essenern, morgens die Sonne zu grüßen, wenn sie sich langsam über den Horizont erhebt. Ich glaube, Jesus erging es ähnlich. Den anderen, die nicht bei den Essenern aufgewachsen waren, war das einfach zu früh - und wir drängten sie nicht.

An jenem Tag war Jesus normalerweise vollkommen klare Aura leicht grau. Ich fragte ihn, was sei. Jesus lächelte:
"Ich hatte einen Wahrtraum."
"Möchtest du ihn mir erzählen?" fragte ich. Jesus nickte. Sein Blick ging in weite Ferne, als er sich die Traumbilder wieder in Erinnerung rief:
"Ich werde in einem Garten von Bewaffneten gefangengenommen und vor das jüdische Gericht geführt. Dort fragen sie mich, ob ob ich Gottes Sohn sei. Ich antworte ja. Meinen Vater nennen die alten Schriften Gott. Sie lassen mich auspeitschen und bringen mich zum römischen Statthalter. Der hält Gericht vor dem Volk. Er verurteilt mich zum Tode, ist aber nicht bereit, dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen. Am nächsten Tag werde ich gekreuzigt und sterbe. Danach sind die Jünger so erschüttert und verzweifelt, daß sie aufgeben und alles, was ich ihnen beigebracht habe, vergessen. Ich sehe ihnen traurig zu und würde sie gerne trösten und wieder auf den richtigen Weg bringen. Ich bin nur ein Mensch. Es ist doch nicht so wichtig, ob ich sterbe."
"Hast du deinen Vater schon gefragt, ob er dir helfen kann?"
"Nein. Das werde ich gleich tun."

Im Augenblick war Jesus noch mit der Sorge beschäftigt, was aus seinen Jüngern werden würde. Die Angst würde noch kommen. Eine Kreuzigung ist kein leichter Tod, nichts, was man ohne weiteres wegstecken kann.

Jesus hatte mir am Vortag gesagt, daß ich zu einem der nahegelegenen Essenerhäuser eine Botschaft bringen sollte. Es ging mir gegen den Strich, Jesus in dieser Situation alleinzulassen.
"Soll ich hier bleiben?"
"Nein. Die Botschaft ist wichtig. Du mußt gehen." erwiderte Jesus.

Ich nickte. Die Entscheidung mußte ich Jesus überlassen.

Beim Frühstück erzählte Jesus alles noch einmal und ergänzte, daß sein Vater ihm gesagt hätte, daß er nicht helfen würde, sollte es kommen wie im Traum.

Ich fragte mich, ob Jesus Vater dabei die Hand im Spiel hatte. Ich fragte Jesus ein zweites mal, ob ich bei ihm bleiben solle. Er antwortete wieder mit nein.

 

 

Der Botengang

Ich fürchtete, es könnte schon zu spät sein, wenn ich zurückkomme. Ich bin ganz gegen meine Gewohnheit weite Strecken des Weges gerannt. Dennoch wurde es dunkel, als ich dort ankam. Ich gab die Botschaft beim Meister des Hauses ab und sagte dann, daß ich mit Kesrith, dem Engel sprechen wollte, der hier Dienst tat. Sie schickten mich in die Funkstation.

Engel sind außerirdische Menschen, das Volk von Jesus Vater. Der Essenerorden hat einen Vertrag mit ihnen geschlossen, daß sie in jedem unserer Häuser einen Engel mit seiner Funkausrüstung unterbringen dürfen. Den genauen Wortlaut kenne ich nicht, wir dürfen jedoch nicht gegenüber Außenstehenden sagen, wer der Engel ist. Vom Aussehen her fällt er in unserer Gemeinschaft nicht auf, wo wir häufig Gäste aus fernen Ländern haben. Einfache Essener sehen oft bewundernd zu den Engeln auf. Wer wie ich eine oder mehrere Einweihungen erhielt, sieht oft auf sie herab, da sie nicht eingeweiht sind und da wir Technik nicht für wichtig halten. Ich ignoriere gesellschaftliche Rangunterschiede gewöhnlich vollkommen - was mir einige herzliche Freundschaften mit solchen diensttuenden Engeln eingebracht hat.

Da die Tür verschlossen war, klopfte ich. Kesrith öffnete, freute sich, mich zu sehen, sagte:
"Grüß dich Simon. Na, wie geht's?"
Ich erwiderte sein Lächeln und sagte:
"Grüß dich Kesrith. Wir machen uns Sorgen. Jesus hatte einen Wahrtraum, in dem er gekreuzigt wurde. Sein Vater meinte dazu, daß er Jesus in einer solchen Situation nicht helfen würde. Das scheint mir ein Hinweis, daß tatsächlich etwas im Busch ist. Vermutlich hat euer Herr da selbst seine Hand im Spiel."

Mir war der Wahrtraum als ausreichender Beweis erschienen, doch erfahrungsgemäß nehmen Engel dergleichen nicht ernst. Sie wissen nicht, welche Fähigkeiten der menschliche Geist hat. Statt dessen verlassen sie sich auf Maschinen. Kesrith nickte und sagte:
"Ich kenne Jesus. Er ist ein dermaßen guter, idealistischer Mensch, daß ich mich gefragt habe, wie das gut gehen soll, bei dem Vater. Er hat es bestimmt nicht verdient, gekreuzigt zu werden. Wenn er Hilfe braucht, werde ich mein Bestes tun. Ich muß nur etwas Konkretes wissen."
Ich nickte. Eine solche Zusage von Kesrith ist einiges wert. Er ist bereit, sich notfalls für Gerechtigkeit selbst in Gefahr zu bringen, dabei aber auch ein sehr kluger Mann, der in solchen Dingen meist Erfolg hat.

Danach unterhielt ich mich mit dem Lehrmeister des Hauses. Er gab mir nach langem Reden nur eine halbherzige Zusage, auf die ich mich nicht verlassen würde. Dann lief ich mitten in der Nacht zurück nach Jerusalem.

Ich erfuhr, als ich dort ankam, daß Jesus schon gefangen war. Am Nachmittag sollte die Gerichtsverhandlung stattfinden. Ich blieb solange, weil zusätzliche Informationen wichtig sein mochten, um gezielt handeln zu können.

Ich sagte meiner Frau, daß sie mich rechtzeitig wecken sollte und legte mich kurz schlafen.

 

 

Gericht

Die Gerichtsverhandlung sollte auf einem Balkon stattfinden. Ich stand unauffällig gekleidet zusammen mit meiner Frau in der wartenden Menge.

Als sie Jesus herausführten, begannen Sprechchöre:
"Hängt ihn, kreuzigt ihn, steinigt ihn."
Lächerlich. Ein Mensch kann nur einmal sterben. Ich fragte mich, wer diesen Pöbel so aufgehetzt hatte. Sie hatten keinen Grund, uns etwas tun zu wollen. Den haben nur die falschen Götter und jene, die davon leben, daß sie angebetet werden.

Jesus ließ ruhig seinen Blick über die Menge gleiten. Er lächelte uns grüßend zu. Seine Haltung war sehr aufrecht, sein Blick hellwach, aufmerksam. Er lächelte, als hätte er ein schönes Geheimnis. Er hatte noch lange nicht aufgegeben. Nachdenklich betrachtete er den römischen Befehlshaber. Sein Rücken war mit blutigen Peitschenstriemen überzogen, seine Hände auf den Rücken gefesselt. Ich fragte mich, was er für eine Nacht gehabt haben mochte.

Jesus wurde zum Tod durch Kreuzigung verurteilt, wie vorhergesehen. Über den Befehlshaber konnte ich nur den Kopf schütteln. Wenn er Unrecht spricht, sollte er dafür wenigstens die Verantwortung übernehmen. "Ich wasche die Hände in Unschuld." - so ein Schwachsinn! Vielleicht wollte er damit uns um Verzeihung bitten. Dann fragt sich, warum er diese Entscheidung getroffen hat. Wer kann ihn so unter Druck setzen?

 

 

Mein erster Ritt

Nachdenklich ging ich zu unserem Haus.

Normalerweise sind wir der Ansicht, daß Pferde ein Luxus sind, den man wirklich nicht braucht. Wir tragen grundsätzlich keine Waffen und Schmuck ist Unfug. Doch Simon, mein Namensbruder, der einmal zu den Freiheitskämpfern gehörte, trägt immer noch sein Schwert mit sich herum. Eine unserer Frauen ist geradezu mit Schmuck überladen und Terius, der Sohn eines römischen Adeligen, hat stets sein edles und sehr schnelles Pferd dabei. Ich bin froh darum, denn ich liebe dieses Tier. Wohl deshalb bin ich außer Terius der einzige, den es nicht tritt oder beißt. Außerdem haben wir drei Esel, die frei hinter uns herlaufen. Wenn es etwas Schweres zu tragen gibt, übernehmen sie das. Sie sind auch eine große Hilfe, wenn man sich den Fuß vertreten hat. Manchmal hat jemand einfach Lust zu reiten. Aber meist betteln sie nur um Leckerbissen und beteiligen sich an unseren Albereien, indem sie uns von hinten mit dem Kopf umstoßen.

Ich bat Terius um das Pferd. Er fragte erstaunt:
"Kannst du überhaupt reiten?"
"Nein. Aber Fuss", so hieß der Hengst, "wird sich zweifellos bemühen mich heile zu bringen, wohin ich will."
Terius lachte und überließ mir das Pferd. Ich sattelte - das hatte ich von Terius gelernt - und stieg auf.

In der Stadt war der Hengst unruhig. Er fühlte sich unter so vielen Menschen unsicher und neigte deshalb zu heftigen Reaktionen. Ich nahm die Zügel etwas kürzer und versuchte ihm durch diesen leichten Kontakt mit dem Maul meine Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Als wir so ohne Zwischenfälle das Stadttor passiert hatten, ließ ich die Zügel locker und feuerte ihn an. Zuerst lief er sehr holprig, so daß ich mich fragte, ob ich mich auf Dauer würde halten können - doch dann wurde er viel schneller und ging in eine weiche Gangart über, bei der es ganz einfach war, oben zu bleiben. Von Zeit zu Zeit gab ich ihm mit den Zügeln einen leichten Hinweis, sich etwas mehr rechts oder links zu halten. Zwischendurch ging er auch mehrmals eine Weile ganz langsam, um sich auszuruhen, doch war ich am Essenerhaus, bevor es dunkel wurde.

Ich gab einem Jungen die Zügel, sagte, er solle das Pferd im Kreis führen, bis ich wiederkäme und erstattete Kesrith Bericht. Kesrith nickte, meinte:
"Na dann wollen wir mal die Beziehungen spielen lassen. Ich werde euch jemanden schicken, der vom Erfolg berichtet."
Da wir den Engeln nicht bei der Arbeit zusehen dürfen - sie wollten sicherstellen, daß keiner von uns die Geräte zu bedienen lernt - mußte ich jetzt gehen.

Bei einem Treffen nach der Kreuzigung erzählte Kesrith mir, daß er deshalb zur Strafe versetzt würde, aber das sei nicht so schlimm. Die Versetzung hierher sei auch eine Strafe gewesen.

Auf dem Rückweg trieb ich den Hengst nicht ganz so an, kam mitten in der Nacht ins Haus, stieg vom Pferd und führte es in den Stall. Terius wartete dort auf mich.
"Was ist los? Warum schläfst du noch nicht?" fragte ich erstaunt.
"Ich habe mir Sorgen gemacht. Du hast noch nie auf einem Pferd gesessen."
"Aber Terius, Fuss würde mich nie abwerfen. Er hat sich größte Mühe gegeben, mich heile dorthin zu bringen, wo ich will."
"Du warst sehr schnell. Bist du galopiert?"
Als ich ihm erzählte, wie sich das Reiten angefühlt hatte, erklärte mir Terius, daß die holprige Gangart Trab hieß und die schnelle, weiche, fließende Galopp. Ein wie ein Römer gekleideter Mann trat aus einem Seitengang und fragte, ob ich heute wirklich zum ersten mal auf einem Pferd gesessen hätte und dann gleich so weit geritten sei. Ich bejahte. Der Mann lachte:
"Dein Gottvertrauen möchte ich haben!"
"Mit Gottvertrauen hat das wenig zu tun. Es reicht, daß ich dem Pferd vertraue." antwortete ich.
Er lachte wieder.

 

 

Arbeit

Kaum hatte ich den Hengst abgesattelt und versorgt, fragte jemand nach einem Heiler. Ich war nicht gerade erfreut über dieses zusätzliche Problem, ging aber mit, da es wohl jedem von uns ähnlich ergangen wäre. Man sollte die Probleme anderer nicht übergehen.

Der Mann führte mich zu seiner gelähmten Tochter. Ich bat ihn, mich allein zulassen, kniete neben dem Kinderbett nieder, legte mir die Hände vors Gesicht und löste mich von meinen persönlichen Sorgen. Wenn ich jetzt an Jesus gedacht hätte, hätte ich nicht heilen können.

Ich drehte das schlafende Kind auf den Bauch und fuhr mit beiden Zeigefingern die Wirbelsäule entlang. Ich korrigierte die Stellung einiger Wirbel, doch im Großen und Ganzen lag die Ursache der Krankheit nicht in Wirbelfehlstellungen oder dergleichen. Ich drehte das Kind wieder auf den Rücken. Eine weitergehende körperliche Untersuchung konnte ich mir sparen, da Nervenstränge zu fein sind, um sie auf der körperlichen Ebene behandeln zu können.

Ich ging tiefer in den Frieden Gottes hinein, bis ich mit den höheren Sinnen das feine Netz des Wahrnehmungsgitters sehen konnte. Mit den feinen Fingern meines Geistes, brachte ich Stockungen ins Fließen und stellte fehlende Verbindungen wieder her. Dann ging ich alle höheren Auraebenen durch und korrigierte dort das Energiefeld. Schließlich begann ich zu beten. Langsam glitt ich in immer tiefere und tiefere Entspannung, nahm Kontakt mit der Seele des Kindes auf, betrachtete mit ihm Vergangenheit und verschiedene Wege in die Zukunft und ließ zu, daß Gott uns einen starken Strom seiner reinen, klaren Energie zukommen ließ. Beendet wurde diese Arbeit durch meinen Schutzengel, der mir wortlos ein Bild von meiner Zukunft in den Geist blitzte. (Schutzengel sind geistige Wesen, die sich gewöhnlich noch nie oder fast nie verkörpert haben. Sonst unterscheiden sie sich kaum von Menschen und sind auch grundsätzlich fähig, als Menschen zur Welt zu kommen.) Richtig, es war Morgen. Ich mußte bei der Kreuzigung anwesend sein. Mein Schutzengel versprach mir, die restliche Arbeit mit Jera, dem Kind zu übernehmen. Ich dankte, verabschiedete mich von Jera und kam wieder zu mir.

Der Vater des Kindes stand hinter mir. Ich grüßte ihn.
"Und? Kannst du sie wieder gesund machen?" fragte er zaghaft.
"Sie wird gesund werden."
Der Mann fiel vor mir auf die Knie, küßte meine Füße, stammelte einen Dank, brach in Tränen aus und bat mich um meinen Segen. Ich kniete nieder, legte meine Arme auf seine Schultern und sagte leise:
"Steh auf, junger Mann. Ich verstehe, daß du glücklich bist. Das bin ich auch, wenn meine Arbeit durch solchen Erfolg gekrönt wird. Aber nicht mir gehört der Dank sondern Gott. Meine Kräfte hätten nicht gereicht, um dieses Wunder zu vollbringen. Und es liegt auch nicht in meiner Entscheidung, ob ich Erfolg habe oder nicht. Deine Tochter hat dazu ebensoviel beigetragen."
"Du Papa, warum weinst du so?"
Jera, das kleine Kind war leise aufgestanden und legte ihren kleinen Arm um die Schultern ihres Vaters. Der schaute auf, seine Augen wurden groß. Er umarmte seine Tochter und begann wieder vor Freude zu weinen. Dem Mädchen fiel erst jetzt auf, daß sie aufgestanden und ein Stück gegangen war, sie zog ein sehr erstauntes Gesicht. Dann fragte sie:
"Du hast das gemacht, ne?"
"Nein, ich war nur das Werkzeug, durch das Gott dir geholfen hat. Bleibe dir selbst treu und höre immer auf deine innere Stimme. Dann wirst du auch gesund bleiben, Jera."
Ich lächelte ihr zu. Das Kind nickte ernsthaft und umarmte mich.
"Ich muß jetzt gehen Jera. Sie wollen Jesus, meinen Lehrer heute kreuzigen und ich will bei ihm sein."
"Hat er etwas Böses getan?"
"Nein. Jesus hat nur viele Menschen geheilt und ihnen erzählt, wer Gott wirklich ist. Das hat einigen sehr mächtigen Menschen nicht gefallen, die oft Böses tun."
"Und jetzt bringen diese bösen Leute ihn um?"
"Ja."
"Dann geh schnell hin und rette ihn."
Ich weinte. Ich glaubte nicht, daß ich die Macht dazu hätte.
"Schau, du mußt nur auf deine innere Stimme hören und immer tun, was sie dir sagt, dann hilft Gott dir, wie er mir geholfen hat, daß ich wieder gehen kann." gab sie mir meinen eigenen Ratschlag zurück. Ich sah zu dem dreijährigen Kind hin und spürte die alterslose Weisheit ihrer Seele. Ich erinnerte mich an Jesu Worte:

"Wahrlich ich sage euch, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nie das Himmelsreich erringen."

Damals meinte Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer dazu:
"Ach deshalb sind wir immer so kindisch, wenn wir unter uns sind."
Ich grinste und antwortete:
"Wahrscheinlich."

Jesus und wir, seine Jünger verbrachten in den seltenen Zeiten, wo wir nichts Wichtiges zu tun hatten, die meiste Zeit mit herumalbern und uns gegenseitig necken.

Wir brauchten das, um mit den immer wiederkehrenden lebensgefährlichen Situationen fertig zuwerden, in die unsere Treue zu Jesus und unseren Idealen uns brachte.

Jetzt verstand ich, was er gemeint hatte. Mir als Erwachsenem hatten meine Ängste den Blick verstellt.
"Danke, Jera. Das war genau der Ratschlag, den ich brauchte."
Ich umarmte sie, stand auf und wollte gehen. Da fragte der Vater:
"Darf ich mitkommen?"
"Gern." antwortete ich.

 

 

Die Kreuzigung

Wir gingen zuerst ins Haus und ich erkundigte mich nach dem Stand der Dinge. Zwei Essener-Brüder waren da und erzählten, daß in Rom um eine Begnadigung für Jesus gebeten würde. Sie machten einen optimistischen Eindruck. Wir besprachen, daß auf dem Weg den Jesus zur Kreuzigungsstätte gehen mußte, alle paar Meter einer von uns stehen sollte. Wir würden nicht mit ihm reden können, aber wir würden ihm zulächeln. Auch ein Lächeln kann neuen Mut und neue Kraft geben. Er sollte wissen, daß er nicht allein war.

Ich stand vor dem Tor des Gefängnisses. Sie führten Jesus heraus. Ich grüßte ihn mit einem Lächeln. Er lächelte zurück. Er hatte offensichtlich Gelegenheit gefunden, sich zu waschen und sein langes Haar zu kämmen. Seine Haltung war so aufrecht, wie die Ketten es ihm erlaubten. Er trug den schweren Querbalken auf der Schulter. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten, hatte man seine Hände noch nicht daran festgenagelt. Sein Rücken war von vielen neuen Peitschenstriemen überzogen. Helles rotes Blut floß über den Schorf vom Vortag.

Als er außer Sichtweite war, nahmen wir eine Abkürzung. Meine Frau und ich sollten am Kreuz stehen, da wir die bestausgebildeten Heiler in unserem Kreis waren. Wir mußten lange warten. Als Jesus schließlich kam, trug ein anderer für ihn sein Kreuz. Ich kannte den Mann nicht, doch erfuhr ich später, daß er es freiwillig getan hatte.

Sie peitschten ihn noch einmal aus, dann brachten sie ihn hoch zu dem Platz, wo ich so nahe wie möglich bei dem fest in die Erde gerammten, senkrechten Kreuzbalken stand. Jesus hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Seine Haare waren mit Schweiß und Blut verklebt und sie hatten ihm einen Kranz aus Dornen ins Haar gedrückt.

Mit drei weichen, ruhigen Schritten trat ich wie selbstverständlich an den Wachen vorbei und legte Jesus meine Hände auf die Schultern. Ich ließ von meiner Lebensenergie auf ihn übergehen und nahm telepathischen Kontakt auf. Seine Schmerzen und die grimmige Entschlossenheit seines Willens, ließen es mir schwarz vor Augen werden. Ich brauchte meine ganze Selbstbeherrschung, um mein inneres Gleichgewicht zu bewahren, ruhig, friedlich, offen und liebevoll zu bleiben. Jesus spürte meinen inneren Kampf und besann sich auf seine eigenen Lehren. Er wurde innerlich still und ruhig wie ein klarer Bergsee. Ein sanftes Lächeln erhellte sein Gesicht. Dann griffen die Wachen ein, die zuerst nur regungslos zugeschaut hatten. Ich trat ruhig zurück und beantwortete geistesabwesend ihre Frage, ob Jesus mein Freund sei mit "Ja". Sie sagten etwas, was sie für tröstlich hielten.

Gehorsam legte sich Jesus auf den am Boden liegenden Querbalken. Ich fühlte mit ihm den scharfen Schmerz, als die Nägel durch seine Arme drangen. Dann zogen sie den Querbalken am senkrechten Pfosten hoch, nagelten auch seine Füße fest. Etwa zwei Stunden lang gelang es mir, trotz dieser mitempfundenen Schmerzen, liebevoll und offen zu bleiben. Dann brach meine Konzentration zusammen und ich fand mich desorientiert und erschöpft in meinem eigenen Körper wieder - der den unschätzbaren Vorteil hatte, gesund und unverletzt zu sein. Ein Mann sprach mich von hinten an. Ich schimpfte, er solle mich gefälligst in Ruhe lassen, ich hätte selbst genug Probleme. Erst als ich seinen bitter enttäuschten Gesichtsausdruck sah, wurde mir bewußt, daß er um Hilfe hatte bitten wollen. Ich sehnte mich nach einem ruhigen, friedlichen Winkel zum Ausruhen, bat um Kraft und atmete tief durch, um meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich entschuldigte mich und fragte ihn, was er wirklich wolle. Er zeigte mir seine rechte verdrehte und zu einer Kralle verkrümmte Hand. Ich bat um Kraft, strich mit meinen Fingern den knotig verkrampften Arm entlang und die Verspannungen lösten sich. Innerhalb von Minuten war der Arm gesund.

Dann wandte ich mich wieder Jesus zu und tauchte erneut in dessen endloses Martierium an Schmerzen ein. Er war innerlich ruhig, sehr stark. Doch sein Körper war ein einziger Schmerz. Wie hielt er das aus? Wenige Minuten später brach auch seine Konzentration. Sein ganzer Körper verkrampfte sich in dem sinnlosen Versuch zu fliehen. Das löste eine neue Welle von Schmerzen aus. Ich hatte große Mühe, mich von diesem Zusammenbruch nicht mitreißen zu lassen, weiterhin Ruhe und Liebe auszustrahlen. Doch es reichte, um ihn aufzufangen. Jesus nutzte seinen Zorn über diese Schmerzen, um seinen Willen darauf zu konzentrieren, wieder in den ruhigen, entspannten Geisteszustand zurückzukehren.

Der Tag verging. Solche Zusammenbrüche geschahen uns immer wieder. Es ist viel einfacher, für vielleicht eine Stunde die Schmerzen mit einem Schwerkranken oder Verletzten zu teilen, um ihn zu heilen, als dasselbe stundenlang mit einem - wenn auch starken und mutigen - Menschen zu tun, der langsam zu Tode gequält wird.

Über unsere telepathische Verbindung hörte ich mit, wie Jesus Vater seinen Sohn verspottete:
"Na, wie fühlt man sich am Kreuz, wo eigenmächtige Rebellen wie du hingehören?"
Zuerst wurde Jesus wütend. Dann füllten sich seine Augen mit Tränen:
"Vater, Vater warum hast du mich verlassen?"
Um meinen Seelenfrieden war es damit geschehen. Am liebsten hätte ich diesen Mann erwürgt. Er gab sich nicht damit zufrieden, daß er Jesus ermorden ließ - nein er mußte auch jetzt noch auf ihm herumhacken. Die Verbindung zu Jesu Geist riß ab. Ich stand vor Wut schäumend vor dem Kreuz und hatte keine Möglichkeit dieses Arschloch zu erreichen. Zumindest reagierte er nicht auf die Beschimpfungen, die ich flüsterte. Er hatte sein Abhörgerät wohl abgeschaltet. Ich besann mich auf meine Aufgabe, schob meinen Ärger beiseite und nahm erneut mit Jesus Kontakt auf.

Der römische Soldat, der mich gefragt hatte, ob ich ein Freund Jesu sei, öffnete seine Flasche mit Essigwasser ließ einen Schwamm damit voll saugen und gab Jesus das zu trinken. Über unsere geistige Verbindung nahm ich den Geschmack wahr und war beunruhigt. Jesus bekam meine Sorge mit und dachte:
"Es ist in Ordnung. Das war so verabredet."

Er strahlte Optimismus aus. Dann verlor er durch das Betäubungsmittel im Essigwasser die Besinnung. All seine Lebensfunktionen ließen nach bis sie fast nicht mehr zu sehen waren. Ich verlor den Kontakt zu Jesus Geist. Aber ich spürte: Er lebt noch.

Die Soldaten brachen den Räubern, die mit Jesus gekreuzigt worden waren, die Beine, damit sie schneller sterben sollten. Bei Jesus sagte der Soldat, der ihm das Betäubungsmittel gegeben hatte:
"Den brauchen wir nicht, der ist tot."
Das stimmte nicht.

Doch in die Lungen lief so viel Wasser, daß er zu ersticken drohte. Ich wandte mich an den Soldaten, bat ihn seine kurze Lanze sorgfältig zu reinigen und wischte sie mit Alkohol ab. Dann erklärte ich, wohin er stechen mußte, damit das Wasser abfließt.
"Simon, ich habe etwas Merkwürdiges beobachtet", sagte der Mann, dessen gelähmte Tochter Jera ich in der Nacht behandelt hatte, "da ist ein römischer Soldat mit einer Schriftrolle gekommen und sie haben ihn niedergeschlagen und die Schriftrolle weggebracht."
"Mist. Das wird der Bote mit der Begnadigung gewesen sein." sagte ich, "Weißt du wo unser Haus steht?"
"Ja."
"Dann lauf und sag unseren Leuten dort, was du beobachtet hast und daß Jesus wie tot aussieht. Sag, daß das eine Botschaft von Simon ist. Benutze genau diese Worte."
Ich kannte den Mann noch nicht gut genug, um zu wissen, inwieweit ich ihm trauen konnte. Die anderen würden verstehen, daß Jesus lebt - ob er tot ist oder nur so aussieht, konnte ich mit absoluter Sicherheit feststellen. Sie würden also wissen, was zu tun ist.

Die Soldaten gingen und ließen die Gekreuzigten für tot hängen. Auch der, der Jesus das Betäubungsmittel gegeben hatte, ließ sich durch meine Bitte, Jesus jetzt schon abzunehmen, nicht aufhalten.

Ehe Jeras Vater die Boschaft ausgerichtet haben konnte, kamen drei Essener und nahmen Jesus mit großer Selbstverständlichkeit vom Kreuz ab. Ich war fassungslos. Was hatten sie damit zu tun? Ich fragte sie.
"Wir haben alles vorbereitet um ihn zu heilen. Ihr solltet nicht davon erfahren, weil es zu auffällig gewesen wäre, wenn die Jünger zu erleichtert ausgesehen hätten. Du darfst leider nicht mitkommen. Wenn jemand fragt - auch einer von euch Jüngern - sag, daß wir Jesus ins Grab gebracht haben, daß er tot ist."
"Dann warte ich hier." sagte ich.

 

 

Ergänzung aus Jesu Sicht:

Jesus waren Ungereimtheiten aufgefallen: Während die jüdischen Machthaber Jesus so lange ausgepeitscht hatten, bis er die Besinnung verlor und ihn mit Hohn und gehässigen Bemerkungen bedachten, war der römische Statthalter sehr höflich. Seine Soldaten entschuldigten sich für jede kleine Unannehmlichkeit - davon gab es natürlich viele. Sie alle schienen sich dafür zu schämen, was sie taten. Daraufhin äußerte Jesus die Bitte, mit dem Statthalter unter vier Augen sprechen zu dürfen. Nachts kam er tatsächlich in den Kerker und fragte Jesus, was er wolle. Jesus teilte ihm seine Beobachtungen mit und äußerte die Vermutung, daß er erpreßt werde. Daraufhin meinte der Mann:
"Sie haben meinen Sohn. Willst du einen schnellen Tod?"
"Nein. Ich will diese Angelegenheit überleben."
Dann entwickelte Jesus den Plan mit dem Betäubungsmittel, das ihn wie tot erscheinen lassen sollte und bat den Statthalter einige Essener, die in der Stadt lebten, einzuweihen, damit die alles vorbereiten konnten.

Übrigens gab es noch einen dritten Plan zu Jesu Rettung, der weitgehend schiefgelaufen ist. Daraus stammt das Grab als Krankenzimmer.

Es ist schon erstaunlich, wie perfekt diese drei nicht miteinander koordinierten Pläne sich ineinander fügten. Wir hatten wohl genug gebetet...

 

 

Nachher

Noch in derselben Nacht kam Jesus zu mir heraus. Ich strahlte vor Freude, ihn lebendig wiederzusehen. Jesus erwiderte mein Lächeln schwach:
"Ich wollte dir nur zeigen, daß es mir gut geht."
Er war sowohl geistig, als auch körperlich durch diesen harten Tag erschöpft und hatte immer noch Schmerzen. Doch er war auch entspannt, mit sich und der Welt in Frieden. Da ich ihm nicht noch mehr Schmerzen zufügen wollte, konnte ich ihn nicht umarmen, wie ich es am liebsten getan hätte. Ich nahm seine Hand - der Nagel war durch den Unterarm gegangen - und strich zärtlich darüber. Ich kann nicht sagen, wie sehr ich Jesus liebe. Wäre es nach mir gegangen, wäre ich den Rest meines Lebens bei ihm geblieben. Ich wäre ihm auch in die Hölle gefolgt. Wenn Jesus dort ist, kann das für mich kein schlimmer Ort mehr sein. Kaum war er gegangen, hörte ich in meinem Kopf die Stimme von Jesus Vater:
"Du wirst Jesus nie wiedersehen."
Ich ließ meine ganze Wut an ihm aus, erzählte ihm ausführlich, was ich von ihm und seinem Verhalten hielt. Währenddessen machte ich mich langsam auf den Heimweg. Meine Frau, die den ganzen Tag treu darüber gewacht hatte, daß niemand sich an meinem Körper vergriff, während ich vollkommen auf Jesus konzentriert war, begleitete mich schweigend.

Vor der Haustür war ich mit dem Schimpfen noch lange nicht fertig. Also fragte ich Jesus Vater, ob ich zu ihm aufs Schiff kommen könnte. Er stimmte mir zu und lotste mich zu einem versteckten Tal außerhalb der Stadt, wo er sein UFO geparkt hatte. Ich stieg ein und redete mir meinen Zorn von der Seele. Der Mann hörte mir bemerkenswert geduldig zu. Ich hatte fest damit gerechnet, daß er mich mit seinem kleinen Foltergerät bestrafen würde, wie immer.

Als ich ausgeredet hatte, sagte er:
"Jesus wird nach Indien wandern, sobald er gesund ist und du siehst ihn nie wieder. Ich dachte daran, ihm dann seine Freiheit zu geben."
Einmal hatte mir Jesus die vier oder fünf richtigen Unterhaltungen mit seinem Vater erzählt, Wort für Wort. Er hat bei dem Gedanken daran ganz glücklich gelächelt. Jesus Vater hat oft zu seinem Sohn gesprochen, aber sonst nur in Drohungen und Befehlen.
"Wenn du unter 'Freiheit geben' verstehst, daß du nie mehr mit ihm reden willst, kann es sein, daß er gar nicht begeistert ist. Trotz allem, was geschehen ist, liebt Jesus dich immer noch als Vater", antwortete ich ihm, "er würde sich sicher freuen, wenn du gelegentlich mit ihm redest, ohne etwas zu verlangen. Das hat er sich ein ganzes Leben von dir gewünscht."
"Meinst du?" fragte Jesus Vater und begann zu lächeln.
"Ich bin mir ganz sicher. Jesus liebt dich. Er wird dich immer lieben."
Ich hoffte, daß Jesus auf diese Weise endlich Gelegenheit erhalten würde, seine Beziehung zu seinem Vater zu heilen.

 

 

Ergänzung aus der Sicht von Jesu Vater

Ich habe diese Szenen auch aus Sicht von Jesu Vater nacherlebt. Er hat tatsächlich zusammen mit seiner Erzfeindin - einer Angehörigen einer schlangenartigen raumfahrenden Rasse - eine Intriege gesponnen, um Jesus ermorden zu lassen. Ich habe sein Verhalten anderen Menschen gegenüber und seine Gründe dafür aus seiner Sicht betrachtet und dabei festgestellt:

Wäre Jesus mit ihm ebenso souverän umgegangen, wie er das sonst mit jedem machte, der ihn umbringen wollte, (davon gab es schon vorher viele) hätte vermutlich auch sein Vater ihn nicht töten lassen wollen. In Bezug auf Jesus Vater haben wir beide versagt und das hätte Jesus beinahe das Leben gekostet.

Als Jesu Vater erfuhr, daß Jesus die Kreuzigung überlebt hat, weinte er vor Freude: "Mein Sohn lebt."

Erst jetzt, wo ich mir diese Szene wieder ins Gedächtnis rufe, um sie aufzuschreiben, wird mir bewußt, daß ich Jesus Vater bis heute nicht verziehen hatte. Tja, das ist wieder einmal einer der Fälle, wo es mir nicht gelungen ist, meinen eigenen Ansprüchen an mich gerecht zu werden. Also hole ich dieses Verzeihen jetzt - mit fast 2000 Jahren Verspätung - nach.

 

 

Mein letzter Schüler

Ich erwachte durch einen Traum. Seine eindringlichen Bilder blieben mir klar im Gedächtnis. Sie waren so realistisch wie das Zimmer, in dem ich erwachte. Ich stand auf, nahm meine Kleidung und ging hinaus zum Bach. In Gedanken versunken führte ich die rituellen Waschungen durch, an die ich von Kindheit an gewöhnt war. Dann wandte ich mich nach Osten und beobachtete, wie der tiefschwarze Himmel mit seinen silberhellen Sternen dort langsam heller wurde und sich rot färbte. Die Sonnenaufgänge hier im kalten Norden hatten eine fremdartige, blasse Schönheit, ganz anders als in meiner südlicheren Heimat. Ich setzte mich unter einen Baum. Mehrfach ging ich die Traumerlebnisse nachdenklich durch. Gefangennahme, abgeführt werden, mein Tod. Gab es eine Möglichkeit, dieser Erfahrung auszuweichen? Die Bilder waren bruchstückhaft, gaben keine Hinweise auf den Ort des Geschehens, waren aber zu realistisch - ein Wahrtraum. Ich fand keinen Ausweg. Ich trauerte um die Menschen, die ich würde verlassen müssen.

Schweigend genoß ich eine Weile die Schönheit des Sommermorgens, ehe ich mich schließlich dem Herrenhaus zuwandte. Der Fürst öffnete gerade die Tür, sah mich und sein stilles Begrüßungslächeln strahlte seine Freude, mich zu sehen und die Verehrung aus, die er für mich hegte. Es hatte in meinem Leben eine Zeit gegeben, als ich einen Menschen ebenso verehrte. Jesus. Ich lächelte meinem Schüler zu und sagte:
"Ich muß dir etwas erzählen Geroid."
Er war neugierig, sagte aber nur:
"In meinem Arbeitszimmer können wir uns in Ruhe unterhalten, Simon."
Ich nickte. Er wäre nie darauf gekommen, daß ich über meinen Tod sprechen wollte. Dazu war ich zu heiter. Ich folgte ihm in den kleinen Raum. Wir setzen uns und Geroid beruhigte seine Neugier zu einer aufmerksamen, offenen Haltung, bei der es sich gut reden ließ. Ich nickte ihm zu. Langsam lernte er, seine Gefühle zu beherrschen.
"Ich hatte einen Wahrtraum." sagte ich und erzählte ihn in allen Einzelheiten. Die Geschichte war ein Schlag für ihn. Lächelnd wartete ich auf die entsetzte Frage, die kommen mußte:
"Und was machst du jetzt, Simon?"
"In einer halben Stunde breche ich auf nach Gereine ... " ich zählte heiter meine Pläne für die nächsten Tage auf. Man könnte das boshaft nennen: Er sorgte sich um mich und ich machte mir einen Spaß daraus.
"Aber sie werden dich umbringen!" protestierte Geroid.
"Ja. Heute - oder morgen, vielleicht auch in zwei Wochen oder einem Jahr, wer weiß? Wollte ich mich davor verstecken, müßte ich mich für den Rest meines Lebens von allen Tischen fernhalten. Wer weiß, ob das hilft? Der Traum ist zu vage. Ich weigere mich, die Arbeit aufzugeben, die ich als meine Berufung gewählt habe. Ich werde weiterhin die Lehre Jesu verbreiten, so weit ich sie verstanden habe."
"Aber du bräuchtest dich für deine Reden wenigstens nicht mehr auf einen Tisch zu stellen!"
Ich lachte:
"Dadurch brauchen die Bewaffneten zehn Minuten länger, um mich zu finden und abzuführen."
Geroid war unglücklich. Er hätte mich am Liebsten an die Kette gelegt.
"Geroid. Der Tod ist nichts Schlimmes. Er ist, als würde man schlafen. Man hält sich auf einer höheren Wirklichkeitsebene auf, die man sonst nur in Träumen besucht und kommt später in einem neuen Körper als Baby auf die Welt. Es ist menschlich, traurig zu sein, wenn das Leben nicht so läuft, wie man es sich erträumt hat. Aber das Leben geht weiter und ist auch lebenswert, wenn alles anders läuft."
Geroid weinte lange. Ich nahm ihn in die Arme, tröstete ihn. Als er sich wieder gefaßt hatte sagte er:
"Aber ich will nicht, daß du jetzt schon stirbst, Simon!"
Ich brach in Lachen aus und rief:
"Jetzt SCHON? Geroid, ich bin ein uralter Mann!"
Er fand meine Heiterkeit nicht passend. Ich legte ihm die Hand auf die Schulter, verabschiedete mich und ging nach Gereine.

Wir beide ahnten, daß wir uns in diesem Leben nicht wiedersehen würden.

Nach einem netten Plausch mit dem Wachhabenden am Tor und einem Frühstück mit dessen Familie ging ich auf den Marktplatz. Dort stieg ich auf einen Tisch, damit mich alle gut sehen konnten. Ich schloß die Augen und sammelte mich, um aus dem inneren Licht heraus reden zu können. Ich würde über den Tod sprechen. Plötzlich entstand Unruhe. Ich sah mich um: Bewaffnete hatten längst alle Zugänge zum Marktplatz abgeriegelt. Selbst die Haustüren besetzten sie schnell mit Wachen. Sie zeigten auf mich und redeten miteinander. Noch ließen sie Marktfrauen, Städter, Kinder und Menschen, die gekommen waren, um mich zu hören, ungehindert ziehen. Ich hatte keinen Zweifel daran, daß sich das schnell ändern würde, falls ich von meinem Tisch spränge. Ich sah keine Fluchtmöglichkeit, zumal ich nie kämpfen gelernt hatte und deshalb nicht einmal gegen einen einzelnen Bewaffneten angekommen wäre. Ich sah unbeweglich zu, wie die Menschen versuchten, sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen und dabei Marktstände umwarfen. Die Bewaffneten kamen auf mich zu und richteten die Spitzen ihrer Speere auf mein Herz. Ich betrachtete sie aufmerksam und nachdenklich. Ja, das war die erste Szene aus dem Traum. Diesmal würde ich mit ruhigen, freundlichen Worten nichts ausrichten können, sonst hätte ich schon öfter von meinem eigenen Tod träumen müssen. Ich hielt Rückschau auf mein langes, erfülltes Leben und lächelte versonnen.
"Fesselt ihn." befahl der Anführer.
Ich legte meine Hände auf den Rücken und ließ es geschehen. Dann ließen sie mich vom Tisch springen.
"Warum grinst du so frech?" fuhr mich der Hauptmann barsch an.
Ich lächelte ihm herzlich zu und antwortete:
"Ich habe das vorhergesehen. Ich habe meinen Tod gesehen."
Der Mann wurde sofort freundlicher:
"Und warum lächelst du dann?"
"Ich habe über mein Leben nachgedacht und bin mit der Arbeit zufrieden, die ich geleistet habe." antwortete ich.
"Du müßtest mich hassen."
"Würde mir das helfen?" fragte ich amüsiert.
"Nein, aber..." er brach ab.
"Sieh mal, wenn ich dich haßte, würde ich mich schlecht fühlen. So führe ich eine nette Unterhaltung."
Er band mich am Sattel fest und ritt durch das offene Tor hinaus. Ich lief federnd neben dem Hals des Pferdes her und bewunderte die friedliche Schönheit des Landes im Sonnenschein. Ein Adler schwebte weit über uns. Ich sagte:
"Sie mal, ein Adler."
"Adler fressen Fleisch. Verachtest du sie nicht?" fragte der Hauptmann.
"Nein. Das ist seine Art. Man darf Tiere nicht nach Regeln beurteilen, die für Menschen richtig sind."
"Und es ist nicht unsere Art, Fleisch zu essen?" fragte er spöttisch.
"Nein. Es ist ungesund. Menschen altern davon schneller."
"Du siehst auch nicht gerade jung aus. Wie alt bist du denn?"
"Ich weiß nicht genau. Über hundert."
Der Mann verstummte, da er mich für wesentlich jünger gehalten hätte. Ich schmunzelte. Nach einigen Minuten stellte er die nächste Frage:
"Man sagt, du seiest Christ und hättest Jesus selbst gekannt. Was war er für ein Mensch?"
"Jesus? Wir kannten uns schon als Kinder. Er war etwas jünger als ich. Doch spürte ich von Anfang an, daß er mir weit überlegen ist. Er wurde geradezu von seinem inneren Licht überstrahlt. Jesus hat als Erwachsener selten gelächelt. Doch wenn er lächelte, war es, als ginge die Sonne auf. Wahrscheinlich wäre jeder, der damals seinen Reden zugehört hat, gerne noch einmal mit ihm zusammen. Ach, die meisten sind wohl längst tot. Ich habe lange keinen meiner früheren Gefährten mehr getroffen. Ich habe sehr, sehr viel von ihm gelernt und alles hat sich als hilfreich erwiesen. Dennoch ist mir bewußt geworden und Jesus selbst hat mir bestätigt, daß auch er nicht unfehlbar ist und oft an der Richtigkeit seiner Entscheidungen zweifelt. Ich wäre nicht fähig, seine Gedankengänge nachzuvollziehen. Er ist mir himmelweit überlegen. Immer noch."
Bei dem Gedanken an Jesus erwachte Liebe und Sehnsucht in mir. Wie glücklich ich damals war! Ich glaube allerdings, daß Jesus nicht glücklich war. Die Aufgabe, die er übernommen hatte, indem er uns in jenem bürgerkriegszerrissenem Land unterrichtete, ging sowohl körperlich als auch seelisch nahezu über seine Kräfte. In der kurzen Zeit, wo wir beide als kleine Kinder ohne Pflichten und Verantwortung in demselben Dorf lebten konnte ich ihn manchmal lachen sehen oder aus reiner Lebensfreude lächeln. Später als Erwachsener lächelte er nur, wenn er andere damit begrüßen oder trösten wollte.
"Jesus ist tot. Er wurde gekreuzigt." widersprach er mir.
"Ich weiß. Ich war dabei. Er hat die Kreuzigung überlebt. Ich habe nachher mit ihm gesprochen." erklärte ich.
Für uns Jünger war diese Erfahrung ein Schock. Jesus, der uns so oft vorgeführt hatte, wie man Gefahren durch ein Wort, eine Geste entschärft, daß wir ihn für nahezu unverwundbar hielten war plötzlich machtlos. Und wir konnten ihm nicht helfen. Er selber hatte es mit ruhiger Würde und sehr tapfer hingenommen. Er hatte wohl schon vorher ein viel realistischeres Bild von der Gefahr, in die seine Arbeit mit uns ihn brachte, als wir.

Mir war klar gewordenl warum ich diesmal von meinem Tod geträumt hatte. Bisher war ich jedesmal, wenn ich in Lebensgefahr schwebte, mit dem zusammengetroffen, der mich hatte töten lassen wollen und konnte ihn überzeugen, daß ich den Tod nicht verdient hatte. Der Hauptmann hatte nichts gegen mich. Er führte einen Befehl aus. Er war dazu erzogen, auch Befehlen zu gehorchen, die ihm falsch erschienen. Eine schreckliche Geistesverwirrung, fand ich. Sie war typisch für Soldaten. Ich hätte nie etwas getan, was ich für falsch hielt. Wie kann man einem Menschen ganz schnell beibringen, für seine Handlungen selbst die Verantwortung zu übernehmen? Ich überlegte im Weitergehen.
"Du hast deinen Tod vorhergesehen. Hast du keine Angst?" fragte der Hauptmann.
"Nein", antwortete ich fest, "Angst ist in so einer Situation absolut tödlich. Man kann nicht mehr richtig denken."
"Glaubst du, daß du überlebst?"
"Nein. - Ich hatte schon öfter ein Messer an der Kehle."
"Aber wer würde denn so etwas tun?" fragte er fassungslos. Er war niedlich. Beinahe hätte ich laut "Du." gesagt.
"Adelige, Räuber, Freiheitskämpfer, Bauern, römische Soldaten... es gab viele, die mich einmal töten wollten."
"Was hast du getan?" fragte er gespannt. Er konnte sich nicht vorstellen, was ein Unbewaffneter gegen ein Messer an der Kehle machen könnte.
"Ich habe mit ihnen geredet, bis sie ihre Meinung änderten."
"Und du glaubst, daß ich dich am Leben lasse?"
Meine ruhige, zuversichtliche Haltung verwirrte ihn.
"Nein. Das habe ich bei den anderen auch nicht geglaubt."
"Es ist dir doch sonst immer gelungen."
"Nichts funktioniert immer."
Ich spürte, daß er mir insgeheim zustimmte. Er war darüber sehr niedergeschlagen. Ich mochte ihn.

Ich habe mich auf diesem Weg sehr lange mit ihm unterhalten und ihm vieles von dem erklärt, was ich in meinem Leben von Jesus und anderen lernte.

Schließlich hielt er sein Pferd. Ich erkannte die Stelle wieder. Er zeigte auf einige Büsche und fragte zaghaft:
"Wirst du dort hinüber gehen, wenn ich es dir sage?"
Ich sah ihm stolz in die Augen und sagte:
"Das kommt darauf an."
Er gab seinen Männern einen Befehl und sie stießen mich grob dorthin. Ungestüm fuhr ich zu ihm herum, wollte ihm sagen, daß diese Grobheit bestimmt nicht zu seinen Befehlen gehört hatte. Im letzten Augenblick sah ich den Speer, der meine Brust durchbohrte. Die Wunde war tödlich, genau wie im Traum. Ich biß die Zähne zusammen, ging in die Knie und ließ mich zu Boden gleiten. Ich wandte mich nach innen, um die Schmerzen möglichst gut auszuhalten. Es würde nicht lange dauern. Jeder mühsame Atemzug tat weh, zerriß das verletzte Herz noch stärker. Es gelang mir, mich wieder zu entspannen und in meine Mitte zu kommen, ehe mein Körper endgültig tot war und mich freigab. Ich beobachtete den Hauptmann noch einige Sekunden, ehe ich fortging, um mein nächstes Leben zu planen.

Erschüttert starrte der Hauptmann meine Leiche an. Dann entdeckte er etwas, das ihn tröstete:
"Seht, wie friedlich sein Gesicht aussieht." sagte er zu den anderen Männern holte seinen Speer zurück, schloß zärtlich meine Augen und sagte:
"Er ist tapfer gestorben."

Dann befahl er, meine Leiche zu verstecken und mit Ästen abzudecken. In Gedanken verloren ritt er mit seinem Männern zurück zur Garnison und gab ihnen für den Rest des Tages frei. Er selber erstattete seinem Vorgesetzten Bericht. Danach sagte er:
"Tairo, ich will den Dienst quittieren. Es war Unrecht, diesen friedlichen, alten Mann zu töten."

Spät am Abend erreichte der ehemalige Hauptmann den Fürstenhof. Er klopfte. Der Fürst öffnete selbst und fragte:
"Was wollt ihr?"
"Ich habe den weisen, alten Mann umgebracht."
Der Fürst war verblüfft. Er hatte geahnt, daß der Fremde diese Nachricht brachte. Aber nicht, daß er selber der Mörder wäre. Jeder hätte geglaubt, daß Rache geübt würde. Woher nahm er den Mut, dennoch zu kommen?
"Komm herein. Ich muß mit dir reden." sagte der Fürst.

In seinem Arbeitszimmer erzählte er dem Fremden den Wahrtraum über meinen Tod. Der Fremde übergab ihm seine Waffen, kniete mit demütig gesenktem Kopf nieder und sagte:
"Ich habe Unrecht getan, als ich ihn tötete. Nimm meine Waffen, ich will sie nie wieder tragen."
"Und was soll ich jetzt mit dir tun?" fragte der Fürst.
"Der alte Mann hätte mir verziehen." Antwortete der Fremde zaghaft.
"Das stimmt. Aber Simon hätte auch eine Möglichkeit gefunden, sicherzustellen, daß du dergleichen nie wieder tust." gab der Fürst zu.
"Das hat er - nur - leider einige Sekunden zu spät. Ich will alles von ihm lernen. Da er nun tot ist, komme ich zu dir."
Der Fremde zitterte. Er fürchtete, daß ihn sein eigenes Schwert treffen würde. Er fand, daß er diese Strafe verdient hätte.

"Steht auf, Fremder. Ihr dürft hier bleiben, wenn ihr wollt. Hier ist meine erste Lehre: Simon wäre an eurer Stelle nie niedergekniet. Als er einen Menschen getötet hatte - ein Unfall - ging er geradewegs zu meinem Vater, der vor einem Jahr noch lebte, sagte ihm, daß er einen Fehler gemacht hätte und erzählte mit seinem üblichen, guten Erzählstil die ganze Geschichte. Mein Vater ließ ihn auspeitschen, bis er die Besinnung verlor. Einige Tage später - Simon, mein Lehrer war durch die Strafe noch so geschwächt, daß er kaum aufstehen konnte - sagte mein Vater zu ihm:
"Wenn du nur einmal um Gnade gebeten hättest, hätte ich sofort das Ende der Strafe befohlen." Simon lachte.
"Da hättest du lange warten können! Wie gut, daß es dir reichte, als ich schließlich in Ohnmacht fiel."
"Warum bist du nicht geflohen?"
"Ein Unschuldiger wäre statt meiner bestraft worden. Ich bin der einzige, dem du geglaubt hättest, daß mir so etwas passieren kann."

Glaub mir, mein Gast, ich wäre nie bereit gewesen von einem Feigling zu lernen, daß Verzeihung etwas Gutes ist und man Feinde selbst dann lieben kann, wenn man im Interesse seines Landes gegen sie kämpfen muß." erklärte Geroid.

Der, der mich getötet hatte, wurde mit den Jahren zu Geroids engstem Berater und Freund. Er nahm nie wieder eine Waffe in die Hand. Ich schon.

 

 

Die Macht des Vertrauens

Die Macht des Vertrauens Es waren nicht die scharfen Schwerter in den Händen der Männer, die mich erschreckten. Nicht die drohende Körperhaltung der Zeloten, Freiheitskämpfer für das jüdische Volk, machte mir Sorgen. Es lag eine Spannung in der Luft, eine Art Kribbeln, das mir verriet: Eine falsche Bewegung, ein Wort im falschen Augenblick und ich werde diesen Tag nicht überleben. Reflexartig entspannte ich sämtliche Muskeln, vergaß jeden Gedanken an Gestern und Morgen. Ich wurde innerlich ruhig, friedlich, öffnete mich den Menschen um mich herum. Das ist der Bewußtseinszustand, in dem man die Fähigkeit hat, schneller und richtiger auf alles zu reagieren, was geschieht, als das sonst möglich ist. Neben mir spürte ich die ruhige, verläßliche Nähe meiner Gefährtin Mirchia. Auch sie wußte um die Gefahr und hatte sich in den Zustand meditativer Ruhe fallen lassen. Ich spürte, wie sie im gleichen Augenblick wie ich die Situation einschätzte, Flucht und Angriff als verantwortungs- und hoffnungslos verwarf. Unser Leben lang hatten wir von dem Vertrauen profitiert, das die Menschen Heilern wie uns schenkten die das weiße, nahtlos gewebte Gewand trugen. Es hatte uns die Möglichkeit gegeben, uns unbehelligt unter Verbrechern, Räubern, Dieben, den ärmsten der Armen aber auch unter einfachen Bauern, reichen Städtern oder Soldaten der römischen Besatzungsmacht zu bewegen. Wir hatten nicht das Recht dieses Vertrauen zu zerstören, das für alle Heiler, die das weiße Gewand trugen wie wir, der wichtigste und oft einzige Schutz war. Es konnte natürlich keine vollkommene Sicherheit bieten, das kann nichts auf dieser Welt. Mirchia sammelte sich, sah den Anführer der Zeloten an. Ruhig und freundlich fragte sie:
"Womit können wir euch dienen?"
"Wir haben Verletzte. Kommt." antwortete der Mann knapp.

Wir beiden gingen wortlos mit, ohne die immer noch auf uns gerichteten Waffen und die bedrohliche Stimmung, die in der Luft lag, zu beachten. Wir bewegten uns mit einer Würde und Selbstsicherheit, als wären die Zeloten keine Bedrohung, sondern unser Gefolge oder eine Ehrenwache. Vor der Tür ihres Hauses blieb ich kurz stehen, schloß die Augen und ließ Frieden in mir einziehen. Aus tiefstem Herzen sprach ich die Segensworte, die Jesus uns ans Herz gelegt hatte:
"Der Herr segne dieses Haus und alle, die hier ein- und ausgehen."
Diese Zeloten um mich her, die so von Sorgen, Zorn und Ängsten zerrissen waren, brauchten den Segen weit dringender, als die freundlichen Menschen, die uns sonst so oft zu einer Malzeit in ihre Häuser einluden.

Der Anführer brachte uns in das geheime Versteck der Zeloten, wo zwei seiner Männer schwer verletzt lagen. Ohne unsere Hilfe wären sie innerhalb der nächsten zwei Tage gestorben. Er liebte diese Männer, fühlte sich für sie verantwortlich und war bereit, alles zu tun, was in seiner Macht stand, um ihnen zu helfen. Doch uns, den Heilern wagte er nicht zu vertrauen. Mirchia übernahm den schwerer Verletzten, ich den, dem es besser ging. Mit wenigen, ruhigen Worten wiesen wir Bewaffneten an, uns zu bringen, was wir außer den Salben aus unseren Heilertaschen für unsere Arbeit brauchten. Für die nächsten Stunden waren wir sicher: Solange ich arbeitete, würde mir keiner der Zeloten etwas tun. Ich kniete mich neben meinen Verletzten, bedeckte mein Gesicht mit den Händen. Ich mußte mich in die richtige Stimmung für meine Arbeit bringen. Ich vergaß jeden Gedanken an Gefahr, jede Sorge, alles was mich betraf. Meine ganze Aufmerksamkeit gehörte dem Kranken, dem ich helfen wollte. Nur so konnte ich gute Arbeit leisten. Mit schnellen, sicheren Bewegungen entfernte ich die notdürftig angelegten, durchgebluteten Verbände, reinigte die Wunden, nähte, wo das notwendig war, strich Heilsalbe darauf und legte neue, saubere Verbände an. Ich sank tiefer in jenen ruhigen, friedlich konzentrierten Zustand hinab, dann legte sich das farbige Bild der Aura über das Bild des Verletzten. Die Aura ist ein feinstofflicher Körper, der aus den aus der Energie der Gefühle besteht. Immer, wenn ein Mensch krank wird, bedürfen auch seine Gefühle und Gedanken der Heilung. In einigem Abstand zum Körper strich ich durch die Luft, streichelte die grauen und schmutzigbraunen Ablagerungen aus Erschöpfung und Krankheit fort. Im Grunde wäre es für meine Arbeit nicht nötig gewesen, daß ich meinen materiellen Körper bewegte, aber es war eine Konzentrationshilfe. Wo das nötig war, ließ ich durch meine Hände zusätzliche Energie in den Körper des Kranken strömen. Als ich mit dieser Arbeit fertig war, war er immer noch nicht außer Lebensgefahr. Ich begann zu beten. In meinem Inneren suchte ich nach dem Frieden der Ruhe, verband mich mit dem Geist des Verletzten, sprach alte und vertraute Worte des Friedens.

Allmählich baute sich der Kontakt auf. Zuerst nur Tröpfchenweise, dann langsam und stetig und schließlich so reichlich, wie ich sie lenken konnte floß mir die Kraft von jener liebevollen, freundlichen, guten Macht zu, die älter ist, als diese Wirklichkeit. Vertrauensvoll ließ ich mich ganz auf dieses Strömen ein. Es gab nichts, vor dem ich mich hätte in acht nehmen müssen. Gott kann man vorbehaltlos vertrauen. Irgendwann kam ich wieder zu mir. Ich wußte, ich hatte meine Aufgabe erfüllt. Es war Zeit, mich wieder mir selbst und dem Leben zuzuwenden. Ich kniete immer noch vor dem verletzten Zeloten. Doch etwas hatte sich verändert. Durch meine Arbeit hatte ich ihn kennen und lieben gelernt. Sein Schlaf war jetzt ein Schlaf der Heilung. Ich wußte, daß er wieder gesund werden würde. Hinter mir aber war der Tod. Es dauerte einen Augenblick, bis ich den vagen Eindruck von Gefahr mit der Erinnerung an den Anführer der Zeloten in Verbindung brachte, der hinter mir stand. Mit einer fließenden, ruhigen Bewegung stand ich auf und drehte mich um. Ich war so langsam, daß er nicht darauf reagierte, sondern unbeweglich stehen blieb, als hätte ich mich nicht gerührt. Aus den Augenwinkeln registrierte ich das scharfe Messer, mit dem er mich von hinten hatte erstechen wollen, sobald ich mit meiner Arbeit fertig war. Hätte ich es nur eines Gedankens gewürdigt, hätte er das auch getan. Doch ich sah ihm ruhig, tiefernst, gerade in die Augen, öffnete ihm vorbehaltlos meinen Geist. Der Zelot konnte meinem Blick nicht erwidern, versteckte das Messer hinter der Hand. Er schämte sich, doch brachte er nicht den Mut auf, mir zu vertrauen und das Leben und Sicherheit seiner Leute und der Menschen, die ihm ihr Haus als Versteck zur Verfügung gestellt hatten, in meine Hände zu legen. Ich hätte sein Vertrauen nicht mißbraucht, doch das konnte er nicht wissen. Ich wartete. Der Augenblick kam, wo die Situation sich veränderte, die Spannung nachließ. Ich lächelte und sagte:
"Ich gehe jetzt zu meiner Gefährtin und helfe ihr bei dem zweiten Verletzten."

Die Zeit, das wußte ich, arbeitete für mich. Ein Teil seines Wesens wollte mir vertrauen, wollte mich lebendig und gesund sehen. Um seiner selbst willen wäre er nie bereit gewesen, mir Schaden zuzufügen. Indem ich meiner Ehepartnerin half, brach ich eine Regel, die Mirchia und ich uns für unsere Arbeit gesetzt hatten. Wenn einer von uns beiden die Behandlung eines Kranken allein begonnen hatte, so führte er sie auch alleine, ohne Hilfe zuende. Doch diesmal wäre es für mich absolut tödlich gewesen, untätig dabeizustehen, während sie arbeitete. Mirchia hob den Blick, sah mich ruhig und ernst an. Sie wußte, warum ich die Regel brach, stimmte meiner Entscheidung zu. Wir reichten uns über den Körper des Verletzten hinweg die Hände und beteten gemeinsam um Hilfe für ihn.

Als wir fertig waren, hatte der Zelot den Tisch für uns mit Brot und Wein gedeckt. Allgegenwärtig lag die tödliche Bedrohung in der Luft. Ich brach das Brot und sprach den Segen. Das Brot war altbacken. Es konnte deshalb kein Gift enthalten. Langsam begannen Mirchia und ich zu essen. Während der Malzeit unterhielten wir uns über eine ähnlich kritische Situation, als wir bei einem römischen Offizier zu Gast gewesen waren.
"Ich habe mich damals ehrlich gefragt, ob der Wein wohl vergiftet sein würde." sagte ich leise zu Mirchia.
"Ich auch." Entgegnete meine Frau gedankenverloren.

Der Zelot, für dessen Ohren diese Unterhaltung eigentlich bestimmt war, wußte nicht, wo er hinschauen sollte. Obwohl wir sehr langsam aßen, war bald der letzte Krümel des Brotes vertilgt. Ruhig griff Mirchia nach dem Becher mit dem Wein, sprach den üblichen Segen. Sie zweifelte nicht daran, daß er vergiftet war. Doch es hätte uns nichts geholfen, den Wein abzulehnen. Er hatte genug erfahrene Kämpfer, die uns gehorsam erschlagen hätten. Ruhig, ohne Zorn hob Mirchia den Becher. Ich kann mich erinnern, daß sie lächelte.
"Habe ich dein Versprechen, daß du nichts von diesem Ort und deinem Erlebnis hier erzählst?" fragte der Mann.
"Ja, ich verspreche es Dir." antwortete ich.
"Ich auch." ergänzte Mirchia und führte den Becher endgültig zum Mund, um den ersten Schluck zu nehmen.
Plötzlich zuckte die Hand des Zeloten vor, ergriff ihr Handgelenk und verdrehte den Arm, so daß der Wein auf den Tisch verschüttet wurde.
"Der Wein ist nicht gut genug für euch. Wartet, ich gehe besseren holen." sagte der Anführer der Zeloten.

Wir beide, Mirchia und ich waren dermaßen erleichtert, daß wir nur stumm und steif wie Statuen dasaßen. Erst als der Anführer der Zeloten eine ganze Weile später unvergiftetem Wein brachte, gelang es uns, zu normalem Verhalten zurückzukehren. Wir fühlten uns zutiefst erschöpft von dieser Gefahr und unserer Arbeit als Heiler. Wir redeten nicht darüber, daß wir wußten, daß er uns anfangs hatte ermorden wollen. Der Zelot schämte sich dieser Absicht zu sehr. Jedes Wort hätte er als Vorwurf aufgefaßt, den er nicht hätte ertragen können. Es bestand die Gefahr, daß er uns doch noch getötet hätte, nur um diesen Vorwurf zum schweigen zu bringen. Wir machten kleine wortlose Andeutungen, die ihm später, wenn er in Ruhe darüber nachdächte, verraten würden, daß wir seine Absicht durchschaut hatten und daß es verziehen war.

Wie oft habe ich später, bedauert, daß ich ihm hatte versprechen müssen, über dieses Erlebnis zu schweigen. Es ist die schönste Geschichte, die man erzählen könnte, um anderen Menschen bewußt zu machen, welch große Macht Vertrauen hat. Der Anführer der Zeloten aber war ein anderer geworden. Er schloß sich Jesus an und wurde mein Freund.

In diesem Leben hat meine beste Freundin Esther Fiess, die damals jener Zelot war, mir erlaubt, diese Geschichte jedem zu lesen zu geben, den sie interessiert.

 

 

Was war Jesus für ein Mensch?

Ich glaube, was ich hier schreibe, wird so manchem nicht gefallen...

Jesus war - was die über jenes Leben hinausgehenden Aspekte anging - ein Hüter des Lichts. Da wir Hüter lange Zeit wirklich von allen Seiten und von unseren früheren Vorgesezten angefeindet und verfolgt wurden, haben wir sowieso schon die Neigung, was Höhergestellte wie Beispielsweise Gott angeht, gelegentlich zynische Bemerkungen zu machen.

Das wurde und wird bei uns allen weitgehend dadurch ausgeglichen, daß wir viele Leben hindurch konsequent uns bemüht haben, nur Gutes zu tun. (Das heißt leider nicht, daß da am Ende auch nur Gutes bei herausgekommen wäre...) Dieses ständige Bemühen hatte den Nebeneffekt, daß wir nach und nach zu direkter Gotteswahrnehmung fähig wurden. Und werden, der Vorgang ist noch nicht abgeschlossen. Das heißt, ich habe es auch in diesem Leben vorübergehend fertiggebracht, aus eigener Erfahrung zu wissen, daß es etwas Höheres - Gott - gibt und trotzdem nicht daran zu glauben.

Ein ähnliches Problem hatte Jesus als Kind und junger Erwachsener. Das wurde noch dadurch verkompliziert, daß sein Vater einer raumfahrenden Rasse angehörte und sich uns gegenüber als Gott ausgab. Womit er gegenüber den meisten Essenern auch Erfolg hatte. Jesus aber hat er so sehr gefoltert um ihn seinen Zielen - er sollte die Essener als deren König in einen Krieg führen - gefügig zu machen. Damit hatte er keinen Erfolg. Doch als Jesus zwei Jahre vor dem Beginn seines öffentlichen Auftretens zu uns (der geheimen Führung der Essener) kam, war er dermaßen unausgeglichen, daß er einen Mord beging - und es sofort bitter bereute. In der Situation wurde ich um Hilfe gerufen. Ich machte zuerst den Vorschlag, Jesus zu vergiften, da er als König vollkommen untragbar war, wenn er sich so wenig unter Kontrolle hatte. Davon kam ich jedoch wieder ab, weil es uns auch nichts gebracht hätte. Stattdessen arbeitete ich mit Jesus seine Kindheitserinnerungen so lange und gründlich durch, daß er sich nachher einigermaßen unter Kontrolle hatte. Er war aber in der Zeit seines öffentlichen Wirkens immer noch reizbar und neigte zu Wutanfällen.

Bitte versteht, daß das kein Vorwurf sein soll. Die meisten Menschen hätten seine Kindheit wahrscheinlich nicht einmal überlebt, geschweige denn, daß von ihrer Persönlichkeit noch genügend übergewesen wäre, daß sie gegen die Pläne von Jesu Vater, in Israel einen Krieg anzuzetteln, hätten ankämpfen können. Jesus hat sein Bestes getan, um diesen Krieg zu verhindern - wenn es auch leider nur reichte, um ihn um vier Jahre hinauszuzögern. Aber das ist mehr, als die meisten Menschen in der Situation hätten erreichen können. - Und Jesus wurde zur Strafe für diesen Einsatz viel gefoltert.

Diese Tatsachen waren zu Jesu Zeit nur sehr wenigen bekannt, da Jesu Vater die meisten Menschen die wußten, was er vorhatte, gefoltert und ermordet hatte und wir deshalb über diese geheimen Wahrheiten schwiegen, um niemanden unnötigerweise da mit hineinzuziehen.

Vielleicht wird aus dieser Erklärung klar, warum ich Jesus zwar sehr liebe, ihm vertraue und ihn gerne um Hilfe bitte, aber daß ich ihn nicht als jemanden betrachte, der über mir steht.

Ich selbst war damals ein ausgebildeter Heiler, der auch große Wunden mit der Macht des Gebetes innerhalb weniger Stunden schließen konnte, so daß nur noch unauffällige Narben zurückblieben. (Das kann ich heute nicht.) Jesus war um ein vielfaches besser.

Jesus hatte eine Abneigung gegen die Verehrung, die andere Leute Hochgestellten entgegenbringen. Er hat sich immer wieder gerne Inkognito unters Volk gemischt, solange er dazu nicht zu bekannt war.

Ich selbst war damals die meiste Zeit durch Foltern außer Gefecht gesetzt, wobei kaum jemand wußte, daß ich gefoltert wurde. Die meisten meinten wohl, daß ich Jesus folgte, um Heilung von der angeblichen Krankheit zu finden, die in Wirklichkeit durch Foltern hervorgerufen wurde, die ich nicht in dem Maße hätte ertragen müssen, wenn ich mich von Jesus zurückgezogen hätte. Es gelang Jesu Vater mit diesen Foltern, mich so weit zu treiben, daß ich Jesus beinahe mit der Axt erschlagen hätte. Gott sei Dank konnte ich den Schlag noch im letzten Augenblick abfangen.

Allerdings hat in den zwei Jahren nicht nur der Mensch Jesus durch Jesu Körper gepredigt, sondern auch jemand, den ich hier mal "den Christus" nenne. - Jesus hat also das getan, was man heute Channeln nennt. Wobei die gechannelte Wesenheit schon länger mit uns zusammengearbeitet hat, als wir uns Hüter des Lichts nennen. Die wichtigsten Aussprüche Jesu stammen nicht wirklich von Jesus sondern von dieser Wesenheit. Wobei - da wir uns schon viele Leben kennen und lange als Hüter des Lichts zusammengearbeitet haben - meine und Jesu Meinung sich nicht sehr von der Meinung dieser Wesenheit unterschieden.

Aus einem ganz anderen Grund war die Zeit Jesu aber ein großartiger Erfolg für uns Hüter des Lichts.

 

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Weitere Inhalte zum Leben Jesu aus der selben Quelle siehe unter: Jesu Leben / meine Kindheit


Autorin: Kersti Nebelsiek

www.fallwelt.de/dokumente/JesusErinnerungen.htm