Februar 2012
Ich habe mir vorgenommen, das Thema Anbetung zu hinterfragen.
Wegen der Komplexität des Themas versteht sich alles als ein Schnelldurchlauf. Viele Aspekte, das Gebet betreffend, werden von mir nicht angesprochen. In diesem Sinne also.
Menschen dieser Erde, so wie ich sie kennen gelernt habe, pflegen des Öfteren zu beten.
Da wäre zunächst das aus meiner Sicht eher rituelle Gebet zu nennen, welches "gläubige Christen" im Rahmen ihrer Gottesdienste verrichten. So gesehen ist das Gebet zum Herrn (zu Gott) in den Kirchen ein fester Bestandteil. Dabei wird ein namenloser Gott angebetet; er wird gepriesen, ihm wird gedankt und ihm werden allerlei Bitten vorgetragen. Unter dem Gott, welchen die Christen anbeten, verstehen sie den "Alleinigen Gott", der angeblich die Welt und alles Leben darauf, erschaffen haben soll. So verstehen sie den Gott, den sie aus der Bibel kennen, wie er von der Geistlichkeit (bzw. der Gesellschaft) gelehrt wird. – Dazu sage ich nur: Der Weihnachtsmann lässt grüßen.
Dann denke ich auch an Gelegenheiten, wo die (einige) Menschen zu "Gott" ein persönliches Gebet sprechen. Entweder eher rituell, zum Essen, beim "Zubettgehen", oder individuell, wenn sie mit Problemen belastet sind und sich einen Ausweg daraus wünschen. Also immer dann, wenn sie nicht mehr weiter wissen oder andere nicht mehr so recht helfen können, beginnen viele Menschen sich an Gott zu wenden, damit dieser ihnen hilft. – Was soll ich dazu sagen? Hilft "Gott" Menschen, wenn sie ihn um Hilfe bitten? – Eine überaus schwierige Frage, denn bestimmt über 99% aller Bitten werden sicher nicht erfüllt. Und wird eine Bitte erfüllt; hat "Gott" diese erfüllt????? Oft wird gesagt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott…..
Ein Gebet ist so etwas wie Telepathie, ausgesendet an die geistige Welt …. Natürlich gibt es im Geistigen auch solche, die unsere Gebete "hören" können, und wenn die geistige Welt auf die materielle Welt einen gewissen Einfluss nehmen kann, mag von daher auch so einiges gelenkt werden. Lösungen werden gefunden, Hilfe mag ganz unverhofft kommen, Krankheiten werden geheilt usw..
Ich mahne jedoch zur Vorsicht, dass solcherlei Erfahrungen als ein Beweis dafür herhalten können, "Gott" würde (ernsthafte) Gebete schon (auf seine Weise) beantworten. Das meiste ist wohl eher ein Wechselspiel mit der geistigen Welt oder auch eben auch nur "Zufall". – Zum hier angesprochenen Thema ließe sich noch weit mehr sagen, doch liegt es mir derzeit mehr am Herzen, herauszufinden, ob "Gott" tatsächlich wünscht angebetet zu werden.
Es mag vielleicht etwas verwundern, doch eine "Gottes-Anbetung" spielt im AT eine eher untergeordnete Rolle. Zumindest spielt das Gebet dort nicht die Rolle, wie wir es vom NT her kennen, denn die ersten Christen scheinen das Gebet zu bestimmten Zeiten tatsächlich regelmäßig gepflegt zu haben. Aber es muss auch erwähnt werden, dass die ersten Christen eher individuelle Gebete pflegten. Sie hatten keine Gebetsbücher, welche sie rezitierten. Und schon gar keine Perlenschnüre als Ketten, welche ihnen als Gebetshilfe dienten, um wie es so schön heißt, gebetsmühlenartig immer und immer wieder dieselben Gebete zu wiederholen. – Schon komisch, dass die heilige katholische Kirche die Menschen anleitete, solch einen Schwachsinn zu absolvieren.
Ich gehe einmal davon aus, dass sich die ersten Christen, die des heiligen Geistes teilhaftig wurden, im Gebet telepathisch der Gotteswelt zuwandten. Und hin und wieder wurden ihre Bitten ja auch erhört – so ist es zumindest in den Schriften des NT nachzulesen.
Doch im AT bin ich nicht fündig geworden. Nirgendwo wird erwähnt, dass das Volk regelrecht aufgefordert wurde GOTT anzubeten, bzw. dass es gelehrt wurde, wie es beten sollte.
3. Du sollst keine anderen Götter
haben neben mir.
4. Du sollst dir kein Bildnis noch irgend
ein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten
auf Erden, noch dessen, das in den Wassern, unterhalb der Erde ist.
5. Bete
sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der HERR, dein Gott, bin
ein eifriger (eifersüchtiger) Gott, der da
heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied
derer, die mich hassen,
Der Bibelgott verbietet ausdrücklich, andere Götter zu haben. Was wohl heißen mag, sie zu idealisieren, ihnen Vertrauen zu schenken, Bildnisse von ihnen zu haben oder sie anzubeten.
Es besteht also das Gebot, andere Götter (die es sehr wohl gab) nicht anzubeten. Aber in den Zehn Geboten findet man keinen Hinweis darauf, dass der Bibelgott angebetet werden will. – Oder lässt sich das davon herleiten, wenn andere Götter nicht angebetet werden dürfen, solle man gefälligst den Bibelgott anbeten?
Leider kann man viele Begebenheiten, wie sie durch die Bibelbücher überliefert sind, nicht eins zu eins als Tatsachen annehmen. Da waren Autoren am Werk, die dem Volke ein gewisses Gottesverständnis nahe bringen wollten.
Da sind zunächst die Lobpreisungen zu erwähnen, welche vorzugsweise von jenen vorgebracht wurden, die eine bestimmte Verantwortung hatten, wie Richter, Prophet oder König. Den Kontakt zu "Gott" hatte in aller Regel nur die Elite (welche die Macht hatte und gewissen Familien angehörte). Bestenfalls haben sie stellvertretend für das Volk Gott gegenüber agiert.
30 und damit sie Morgen für Morgen hinträten, um Jehova zu preisen und zu loben, und ebenso am Abend;
18 Wir aber, wir werden Jehova {Hebr. Jah} preisen von nun an bis in Ewigkeit. Lobet Jehova! {Hallelujah!}
In der Tat wird mehrfach berichtet, dass Gebete von Gott erhört wurden. Vorzugsweise natürlich von der bereits erwähnten Elite, weil diese ja auch meinte, als Verantwortungsträger des auserwählten Volkes im Sinne Gottes agieren zu müssen.
1 Und {1. Kön. 8,54} als Salomo geendigt hatte zu beten, da fuhr das Feuer vom Himmel herab und verzehrte das Brandopfer und die Schlachtopfer; und die Herrlichkeit Jehovas erfüllte das Haus.
In diesem Beispiel ist das ein kleiner Machtbeweis, ein Fingerzeig für das Volk. Ich (Gott) bin noch da, ihr könnt mir vertrauen.
3 Und Jehova sprach zu ihm: Ich habe dein Gebet und dein Flehen gehört, das du vor mir gefleht hast; ich habe dieses Haus, das du gebaut hast, geheiligt, um meinen Namen dahin zu setzen auf ewig; und meine Augen und mein Herz sollen daselbst sein allezeit.
21 während ich noch redete im Gebet, da kam der Mann Gabriel, den ich im Anfang im Gesicht, als ich ganz ermattet war, gesehen hatte, zu mir her {And. üb.: im Gesicht gesehen hatte, schnell fliegend zu mir her} zur Zeit des Abendopfers {Eig. Abendspeisopfers}.
Nicht selten sind es Engel, die quasi als Antwort auf im Gebet vorgetragene Bitten auf dem Schauplatz erscheinen und mit Rat und Tat ins Geschehen eingreifen.
Doch sind die hier gebrachten Beispiele (und die anderen in der Bibel) repräsentativ für das Gebet gläubiger Menschen? Wer ist denn schon einmal von einem Engel besucht worden, weil er gern einige Antworten auf (schwierige) Fragen oder Probleme bekommen wollte? – Die gibt es schon, doch sie bleiben die große Ausnahme! Auch in unserer Zeit wird aus meiner Sicht nur der einen Kontakt (zu Gott / zu Engeln) bekommen, der dafür vorgesehen ist. Leider muss festgestellt werden, dass die Masse – und sollte sie sich auch noch so sehr darum bemühen – niemals in Kontakt zu den "Himmlischen" treten wird. Daran hat sich (von damals bis heute) überhaupt nichts geändert.
Wie oft wird man dereinst JHWH um Hilfe gerufen haben, wenn es darum ging, potentielle Feinde zu besiegen. Da JHWH sich als der Gott des Volkes Israel ausgab, wird er ihm (zumindest zeitweise) tatsächlich geholfen haben. – Sicherlich war das für die Israeliten ein besonderes Gefühl der Gunst, vielleicht auch einem Rausch (alles gelingt) vergleichbar. Doch was des einen Freud ist, das ist des anderen (des Besiegten) Leid, Schmach und Demütigung. Ich kann diesem Spiel nichts abgewinnen, denn es ist extrem ungerecht, es verzerrt die Sichtweise und es erzeugt künstliche Änderungen im Lauf der Geschichte.
Natürlich werden auch die "Götter" der anderen Seite, also meist die ägyptische Fraktion, helfend eingegriffen haben. Das ist natürlich genauso wenig akzeptierbar. Nur wenn einer anfängt, die Machtverhältnisse künstlich zu verschieben, werden sich die von der anderen Seite ebenfalls auf den Plan gerufen fühlen, um für einen gewissen Ausgleich zu sorgen. So gesehen sind wir bessere Schachfiguren, die von den Götterstrategen gespielt werden. So werden Dramen geschaffen, die es ohne diese Beeinflussung niemals gegeben hätte.
Und viele Dramen folgen gewissen Mustern, die sich endlos zu wiederholen scheinen. Gewisse "Mächtige" werden aus dem Hut gezaubert, sie erzielen großartige Siege (man vergesse dabei bitte nicht die vielen Opfer) und dann gibt es den Absturz.
Und besonders in Kriegen wird gebetet (für den Sieg), was das Zeug hält. Das kann nur klappen, wenn da ein Gott ist, der parteiisch ist. Dann zumindest würde er wohl seinen Günstlingen gewisse Schützenhilfe verleihen. Doch in den letzten großen Kriegen kämpften Christen gegen Christen und Moslems gegen Moslems. Da wird es sowohl einem Christengott als auch einem Moslemgott schwer fallen, bestimmte Parteien zu unterstützen.
Und doch ging es zumindest im Zweiten Weltkrieg auch indirekt um das Volk, welches sich als das auserwählte Volk bezeichnet. Da hat also der Judengott zugeschaut, wie sechs Millionen seines Volkes in einem Holocaust ihr Ende fanden. Spätestens an dieser Stelle sollte man sich doch fragen, warum der Judengott da nicht rechtzeitig intervenierte. Die Sache wird natürlich nicht einfacher, denn die Christen der Achsenmächte beteten letztendlich denselben Gott an; ebenso die Christen der Alliierten. – Hier haben die Gottesforscher eine harte Nuss zu knacken.
Spätestens unter diesem Gesichtspunkt wird das Gebet (zu Gott) für den Sieg zur Farce.
Der Gott des AT hatte eine lange Liste an Vorschriften erlassen, die es zu beachten galt. Darunter waren auch viele rituelle Handlungen, worunter ich das Opfern von Tieren und das Darbringen einer Erstlingsfrucht verstehe. Es gab auch mehrere Festtage, die einen religiösen Bezug hatten. Doch eine Aufforderung, ihn (regelmäßig) anzubeten, lässt sich aus meiner Sicht aus dem AT nicht herleiten.
Mir scheint, der Gott des AT wollte in erster Linie, dass sein Volk gehorchte und das tat, was er ihm durch seine Propheten auftrug. Gebete von Einzelpersonen, die vorzugsweise Bitten um Erfüllung persönlicher Wünsche waren, gaben in "seinen Augen" keinen Sinn.
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Jetzt müsste auf das Gebet, wie es uns im NT geschildert wird, näher eingegangen werde; das soll an dieser Stelle aber nicht geschehen.
Autor: B. Freytag
www.fallwelt.de/nanna/anbetung.htm