Januar 2012
Seraphe
Nachfolgend Anmerkungen über einige Merkwürdigkeiten, die mir im Zusammenhang mit Gotteskontakten auffielen. Ich bin der Ansicht, diese Hinweise könnten als Ergänzung für die Themenreihe: "Der Allmächtige, der keine anderen Göttern neben sich duldet" ganz sinnvoll sein. Aber ich erlaube mir das ganze auch etwas kritisch zu sehen; besonders vor dem Hintergrund, dass dieser Gott auch für zahlreiche Gräueltaten und für viel Gewalt und wenig Rücksichtnahme steht.
Denn ich bin Jehova, der euch aus
dem Lande Ägypten heraufgeführt hat, um euer Gott zu sein: so seid heilig, denn
ich bin heilig.
An zahlreichen Stellen wird in der Bibel auf die Heiligkeit Gottes hingewiesen. Heiligkeit steht in etwa für Reinheit, aber eben für noch mehr, nämlich eine göttliche Reinheit.
Und
die vier lebendigen Wesen hatten, eines wie das andere, je sechs Flügel und
<sind> ringsum und inwendig voller Augen, und sie hören Tag und Nacht nicht
auf zu sagen: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der
ist und der kommt!
2.
Seraphim standen oben über ihm, ein jeder von ihnen hatte sechs Flügel; mit
zweien deckten sie ihre Angesichter, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit
zweien flogen sie.
3.
Und einer rief dem andern zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR
der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit.
Zu Recht wird
man sich fragen dürfen, wie das zu verstehen ist.
Wenn ein Engel
in Gottesnähe nichts anderes macht als in alle Ewigkeit gebetsmühlenartig zu
wiederholen: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der
Heerscharen,
wird man sich zu
Recht Fragen was dieser Unsinn soll.
Ein Gott, der so
heilig ist und so erhaben ist, hat es bestimmt nicht nötig, dass jemand ständig
plappert: Heilig, heilig, …. Die Erhabenheit sollte jedermann sichtbar sein.
Wenn dieser Gott
Jahwe aber doch nicht so heilig ist, wie er gerne gesehen werden möchte, hilft
nur Indoktrination. – Nur so ist aus meiner Sicht dieser Sachverhalt
nachvollziehbar.
Aus den Kersti-Texten lässt sich überdies erkennen, dass
"Gott" auch kaum anders aussieht als ein Mensch. Was überdies auch
für Bibelchristen nachvollziehbar sein sollte, denn der Mensch wurde ja im
Bilde Gottes geschaffen. Wie der Vater, so der Sohn ….
Die Offenbarung
des Johannes scheint eine Vision gewesen zu sein; handelte es sich dabei um so
etwas wie eine Veranschaulichung? In Veranschaulichungen geben manchmal auch
Übertreibungen einen Sinn.
Im Falle von
Jesaja bin ich nicht ganz sicher, ob es sich um eine Vision gehandelt hat, denn
im nachfolgenden Text lesen wir:
….
meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!
Jesaja schreibt,
er habe Gott gesehen. Obwohl er ihm womöglich gegenübergestanden haben mag,
wird ihn seine Körperhaltung, in Ehrfurcht, sich tief verneigend, gehindert
haben, ihn wirklich zu sehen. – Hätte er Gott gesehen, würde er doch sicherlich
einige Worte zu seinem Aussehen geäußert haben. Entweder wie herrlich sein
Antlitz zu schauen war oder eben, er sah auch nur aus wie ein Mensch.
Ich halte es für
denkbar, dass Jesaja tatsächlich "Gott" gegenüber stand, auch wenn
die meisten Interpreten der Bibel das anders erklären würden.
Nehmen wir also
an, Jesaja hatte tatsächlich Zutritt zum "Alten", dann wäre es doch
passend, wenn Seraphim, um das Ereignis entsprechend zu würdigen, durch ihre
Anwesenheit, ihre Körperhaltung und das, was sie sagten, dem Rahmen eine
gewisse Würde verleihen. –
Nichts anderes
versuchen Kirchen zu erreichen wenn sie ihre Rituale mit viel Pomp, Weihrauch,
einem Sprechgesang und dem Einsetzen von Orgelklängen zelebrieren. Eine Menge
zeremonielles Getue um den Gläubigen Ehrfurcht, Größe, Würde, … Heiligkeit und
Gottesnähe vorzugaukeln.
Ich sehe das
Geschehen in Verbindung mit Jesaja ganz ähnlich. Hier lief ein Ritual ab, in
dem die Größe und Heiligkeit Gottes unterstrichen werden sollte und
gleichzeitig dem Kontaktler (in diesem Falle Jesaja) vor Augen geführt werden
sollte, wie klein und unrein er doch gegenüber Gott ist. Was Jesaja auch gleich
dazu veranlasste auszurufen:
Wehe
mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen ….
Dieses
"Ritual" hatte also in Verbindung mit Jesaja seinen Zweck erfüllt.
Zum Thema "Rituale" siehe auch den entsprechenden Artikel.
Ganz
offensichtlich hatte Jesaja eine entsprechend demütige Haltung vor
"Gott" einzunehmen, die es ihm auch nicht ermöglichte, Gott wirklich
zu sehen. Es ist kein Geheimnis, dass man Gott nicht sehen darf. Wer ihn sieht,
muss sterben …. Und da dürfte es nur ganz wenige Ausnahmen gegeben haben. Das
ist der Stand der Dinge, wie er bis in unsere Zeit unverändert geblieben ist.
Zum Thema
passend auch: Der
sichtbare Gott
Jene, die
fortwährend ausriefen; Heilig, heilig, … waren Wesenheiten, die als Seraphim (Seraphe)
benannt werden. Dabei handelt es sich um eine Spezies von Wesenheiten, die
nicht so wie Gott und nicht wie der Mensch aussieht. Was eher befremdlich sein
dürfte: Bei diesen Seraphim soll es sich um geflügelte Schlangenwesen mit einem
menschlichen Antlitz handeln.
Manche nennen
sie auch Brandwesen, weil sie aus Feuer sind.
In der Sure 7,12
soll Iblis gesagt haben, er würde sich nicht vor Adam verneigen, denn er sei
besser, er sei aus Feuer gemacht und nicht aus Lehm.
Kleinfunde
(Stempelsiegel) aus Israel/Palästina zeigen das weit verbreitete Motiv einfach
oder zweifach geflügelter Schlangen (Diese sog. geflügelter Uräen üben eine
Schutzfunktion aus). Nach Jes 6 tragen die Seraphim Flügel. Sie haben aber auch
menschliche Züge.
Jetzt gilt es
aufzuhorchen: In der Bibel wird die "Schlange" mit Luzifer, dem
Auslöser alles Bösen in Zusammenhang gebracht und im wahrsten Sinne des Wortes
verteufelt. Gemäß der Genesis (1. Mose 3,14) verfluchte Gott die Schlange
sogar. – Und jetzt umgibt sich "Gott" in seinem engsten Umfeld
wiederum mit einer Spezies aus Schlangenwesenheiten; offenbar ihm äußerst
ergebene sehr verlässliche Wesen.
Damit sollte die
Spezies der Echsen, zu denen auch Schlangen und in diesem Falle Seraphine
zählen, wieder rehabilitiert sein! – Außer Gott ist in Wirklichkeit nicht so
gut wie wir es glauben sollen, dann würden diese Seraphim zu den Schergen eines
Tyrannen degradiert, die gehorsam bereit sind, jede erdenkliche Gräueltat
auszuführen.
Wir Menschen
sollten in allen Bereichen Gott untertan sein, wir sollten ihm an Intelligenz
und Fähigkeiten deutlich unterlegen sein. Aber der Mensch war im Ergebnis doch
nicht so geringwertig (minderwertig) gegenüber Gott geschaffen (gekreuzt)
worden. Und dieser Umstand war Gott ein großes Ärgernis. Zur Erinnerung,
weswegen kam er herunter, um zu sehen, was die Menschen machten?
6.
Und der HERR sprach: Siehe, es ist nur ein einziges Volk, und sie sprechen alle
nur eine Sprache, und dies ist der Anfang ihres Unternehmens! Nun wird es ihnen nicht
unmöglich sein, alles auszuführen, was sie sich vorgenommen haben.
7.
Wohlan, laßt uns hinabfahren und daselbst ihre Sprache verwirren, daß keiner
des andern Sprache verstehe!
Gott ist es
offenbar unheimlich, wozu der Mensch imstande ist; was er in die Tat umsetzen
kann. Anstatt eines friedlichen Miteinanders sollen die Menschen durch
Sprachschranken gespalten werden und sich fortan gegeneinander aufreiben. Wenn
wir selbst in unserer aufgeklärten Zeit noch immer in Zwietracht miteinander
leben und bereit sind, schlimme Kriege zu führen, dann sollten wir uns in
Bewusstsein rufen, das ist "gottgewollt". – Womit wir dann wieder
beim "lieben" Gott wären, der eben doch nicht so lieb ist.
Damit der Mensch
der Rolle gerecht wird, für die er geschaffen wurde, mussten ihm Hindernisse in
den Weg gelegt werden. Gleichzeitig musste er gehörig indoktriniert werden:
Der Mensch ist
winzig, unrein, sterblich, ….
Gott ist Größe,
Weisheit, Güte, Macht ….. und Heiligkeit.
Der Mensch hat
sich gefälligst den Weisungen Gottes zu fügen. Er hat Gott als allmächtig,
weise und gerecht zu betrachten.
14
Fürchte dich nicht, du
Wurm Jakob, du Häuflein Israel; ich helfe dir, spricht Jehova, und dein
Erlöser ist der Heilige Israels.
15
Siehe, Nationen sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der
Waagschale. Siehe, Inseln sind wie ein Stäubchen, das emporschwebt.
Dies
ist das Buch von Adams Geschlecht: Am Tage, da Gott den Menschen schuf, machte
er ihn Gott ähnlich;
Auch wenn wir
nicht gottgleich sind, so sind wir ihm doch zumindest ähnlich. So und nicht
anders steht es in der Bibel geschrieben. Das erwähne ich als Erinnerung an
jene Christen, die am geschriebenen Buchstaben kleben.
5 Denn
ein wenig {O. eine kleine Zeit} hast du ihn unter die Engel {Hebr. Elohim}
erniedrigt; {Eig. geringer gemacht als} und mit Herrlichkeit und Pracht hast du
ihn gekrönt.
Dieser Text wird
von vielen meist prophetisch auf Jesus angewandt. Sei's drum, der Körper eines
menschlichen Wesens, und das war Jesus zweifellos, ist nur ein wenig unter dem
der Engel.
Ich will an
dieser Stelle gar keine Lanze für die Menschen brechen, sie sind alles andere
als gut ….. und schon gar nicht heilig. Aber vieles ist den Lebensumständen
geschuldet, unter denen wir hier zu leben haben, und "Gott" trägt
dazu eine erhebliche Mitverantwortung.
Und was ist mit
den sogenannten "Heiligen"???? – Das wäre ein äußerst interessantes
Thema!!!
Als
die Kirche freilich nach der >Konstantinischen Wende< (313) erheblich an Mitgliedern gewinnt und dabei deren Entschiedenheit, sich in den Versöhnungsdienst Jesu Christi hineinnehmen zu
lassen, merklich abnimmt, werden nur mehr jene Christen als
>Heilige< bezeichnet, die in einer besonderen Nähe Gottes zu leben
scheinen oder zu Lebzeiten von den Mitchristen so erfahren wurden (siehe das
>Santo Subito< während des Requiems von Papst Johannes Paul II.).
Aufgrund der Vielfalt ihrer Talente, welche
nicht nur ohnehin die Natur des Menschen prägen, sondern zudem
auch durch die gelebte Gottesnähe noch befördert werden, gewinnen die in
der Kirche verehrten >Heiligen< sehr differenzierte Profile. Sie alle
stimmen darin überein, dass sie an der je besonderen Stelle, an die sie das
Leben stellt, in herausragender Weise von der im Heiligen Geist empfangenen
versöhnenden Liebe Gottes Zeugnis geben.
Wer von der
katholischen Kirche heilig gesprochen wird, hat in ihrem Sinne eine gewisse
Gottesnähe offenbart. Doch die Kirche(n) steht (stehen) im Dienste eines
Gottes, den Jesus als mit dem Teufel in Zusammenhang bringt. Andere Schreiber,
darunter auch die Gnostiker aus jener Zeit, sehen im Gott Jahwe den Demiurgen, welchen sie als einen grausamen Gott mit
Mängeln beschreiben. So gesehen haben die "Heiligen" der Kirche ihr
Leben nicht einem wirklich heilig zu nennenden Gott verschrieben. Was natürlich
den Schluss zulässt, dass viele Heilige eben doch nicht so heilig waren, wie es
einem "Heiligen" angemessen wäre.
Bekannt ist,
dass die Kirche über lange Zeiträume hinweg regelrechte Feldzüge gegen Andersgläubige
führte. Viele, ich würde sogar behaupten die meisten, der Verfolgten waren
rechtgläubiger als jene, die sich auf dem Stuhle Petri zu sitzen wähnten. Was
heißt, die Kirche ließ es nicht zu, dass der Rechtgläubigkeit der Weg gebahnt
wurde. – So gesehen war die Kirche ein Werkzeug Gottes; eines Gottes, der alles
andere als heilig zu bezeichnen wäre.
Die wirklichen
Heiligen, die immer einmal wieder unter uns gelebt haben, konnten natürlich
nicht in der Lehre der (katholischen) Kirche sein, das wäre ein Widerspruch.
Also standen sie auf der Abschussliste. Ihnen wurde vorgeworfen mit dem Teufel
im Bunde zu sein, die meisten von ihnen fanden ihr vorzeitiges Ende auf dem
Scheiterhaufen.
Nicht vergessen
darf man, dass auch Jesus sterben musste, weil er etwas anderes lehrte als es
der offiziellen Gelehrsamkeit jener Tage entsprach. Und so wie Jesus starb,
starben auch viele seiner Mitstreiter (aus dem selben Grund). Wenn Gott doch
seine Hand schützend über seine "Treuen" hält, weswegen starben denn die
meisten von ihnen?
Das ist auf
jeden Fall eine interessante Frage. Bei Jesus würden viele Interpreten von
Glaubensfragen sagen, er sollte sterben, um uns durch seinen Tod von der Sünde
zu befreien (wird von den Kirchen jeweils etwas unterschiedlich ausgelegt). –
Doch wie sieht es mit den anderen aus, z. B. den Aposteln, die federführend
waren, um das Werk von Jesus fortzuführen? – Die meisten von ihnen starben
gleichfalls durch Feindeinwirkung.
Daraus kann ich
nur entnehmen, dass sich dieser "Gott" entweder:
gar nicht für
das Werk seines Sohnes interessierte – was eher unwahrscheinlich ist.
oder
dass es ihn gar
nicht gab – was ebenfalls unwahrscheinlich ist.
oder
er seine treuesten
Diener unter schwersten Prüfungen ihre Gottergebenheit unter Beweis stellen
ließ. – Gibt zwar einen gewissen Sinn, ist aber in sich mit vielen
Widersprüchen behaftet.
oder
"Gott" selbst suchte die Verbreitung der Lehren
seines Sohnes, die so gar nicht in seinem Sinne waren, zu verhindern. – Klingt
etwas paradox, scheint mir jedoch einen Kern Wahrheit zu enthalten.
Autor: B. Freytag
www.fallwelt.de/nanna/heilig.htm